Nürnberg (epd). Ehemalige Häftlinge will die Stadtmission Nürnberg in einem Projekt zur Gewalt- und Suchtprävention für Jugendliche einsetzen. Der "Arbeitskreis Resozialisierung" (AK Reso) plane ein neues Angebot "Gefangene helfen Jugendlichen", teilte die Stadtmission am Donnerstag mit. Das Konzept orientiere sich an einem gleichnamigen Hamburger Verein. Frühere Gefangene könnten authentisch und glaubhaft mit einem verklärten Bild von Kriminalität und den Verhältnissen in Haft aufräumen, hieß es. In Bayern wäre es das erste Projekt dieser Art.
Das Konzept sieht vor, dass derzeit oder ehemals Inhaftierte Schulklassen und Jugendgruppen einen realistischen Einblick in ihre persönlichen Haft-Erfahrungen geben, sagte der Leiter des AK Reso, Kay Putsche. Manche kriminellen Karrieren begännen schon im Alter zwischen 11 und 14 Jahren, erklärte Putsche, der Erfahrungen in der Jugendhilfe hat. Meist kämen diese Kinder und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen, in denen der Wohnraum beengt sei und wo wenig Geld zur Verfügung stehe.
In einem falschen Umfeld bekämen sie Anerkennung für Straftaten. "Unter vielen Jugendlichen gilt der 'Gangsterstyle' und der zugehörige Lebensstil nach wie vor als cool", stellte Putsche fest.
Neben der Präventionsarbeit für die Jugendlichen soll das Projekt auch ein Baustein der Resozialisierung für die ehemaligen Häftlinge sein, teilte die Stadtmission mit. Das Projekt "Gefangene helfen Jugendlichen" suche die Ex-Häftlinge nach einem strengen Kriterienkatalog aus. Zwei geeignete Klienten für Nürnberg seien bereits gefunden und sollen für den Einsatz geschult werden. "Das Projekt gibt den Strafentlassenen eine sinnvolle Aufgabe in der Gesellschaft, sodass eine Wiedereingliederung möglich ist", erklärte Volkert Ruhe, der den Hamburger Verein ins Leben gerufen hat und zuvor selbst acht Jahre in Haft saß.
Beim AK Reso der Stadtmission kümmern sich 12 festangestellte Mitarbeitende und über 20 Ehrenamtliche um straffällig gewordene Männer und Frauen während und nach der Haft in Nürnberg und Nordbayern, teilte der Wohlfahrtsverband mit. Rund 80 Personen würden jährlich vom Team beraten und betreut. Für den Start des neuen Projekts sammelt die Stadtmission noch Spenden.