Osnabrück, Erlangen (epd). Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) will das Recycling alter Arzneimittel voranbringen. Sie fördert deshalb nach eigenen Angaben vom Donnerstag ein Projekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zum Rückgewinnen und Wiederverwerten von Wirkstoffen aus alten Medikamenten. Die dort entwickelten Verfahren sollen in den nächsten Wochen auch anderen Forschungseinrichtungen angeboten werden.
Jährlich würden große Mengen an Altmedikamenten über den Hausmüll entsorgt und dann verbrannt, erläuterte Projektleiter Markus Heinrich, Professor für Pharmazeutische Chemie. "Die enthaltenen Arzneistoffe sind jedoch wertvolle Chemikalien und haben großes wirtschaftliches Potenzial, das in Deutschland bisher nicht ausgeschöpft wurde."
Durch die Wiederverwertung könne auch das Problem der oftmals nicht fachgerechten Entsorgung der Arzneimittel gelöst werden, betonte DBU-Experte Volker Berding. Laut einer Studie würden viele abgelaufene Medikamente eben nicht fachgerecht im Hausmüll, über Apotheken oder den Wertstoffhof entsorgt. Rund 43 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gaben demnach an, mindestens gelegentlich flüssige Arzneimittel in Toilette oder Waschbecken zu entsorgen, bei Tabletten waren es 16 Prozent, erläuterte Berding: "Die Sorge dabei: Wirkstoffe landen über das Abwasser im Wasserkreislauf, was zum Beispiel zu einer erhöhten Antibiotikaresistenz in der Bevölkerung führen könnte."
Heinrich und sein Team haben eigenen Angaben zufolge mehrere Verfahren entwickelt, um die Substanzen in den Arzneimitteln voneinander zu trennen. Nach der Qualitätskontrolle würden sie erneut vermarktet, allerdings nicht mehr für medizinische Zwecke. Die zurückgewonnenen Wirkstoffe könnten je nach Reinheit als Forschungschemikalien, bei der Lebensmittelkontrolle oder für die Wirkstoffentwicklung in der medizinischen Chemie genutzt werden.