München (epd). Der Regisseur und Drehbuchautor Ilker Çatak erhält für seinen Film "Gelbe Briefe" den nationalen "Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke". Çatak zeige "mit erschreckender Präzision, wie autoritäre Systeme nicht nur Freiheiten nehmen, sondern das Vertrauen zwischen Menschen zerstören", urteilte die Jury laut Mitteilung des Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds vom Freitag. Der Film, der von einem Theaterpaar in Ankara erzählt, das Berufsverbote erhält, mache "das Innenleben politischer Unterdrückung spürbar wie kaum ein Film zuvor". Die Auszeichnung ist mit 7.500 Euro dotiert und wird am 23. Juni im Münchner Cuvilliés-Theater verliehen.
Den ebenfalls mit 7.500 Euro dotierten internationalen Friedenspreis erhält Regisseurin Cherien Dabis für "Im Schatten des Orangenbaums". Basierend auf der Geschichte ihrer eigenen Familie erzählt Dabis das generationenübergreifende Schicksal einer palästinensischen Familie im Westjordanland - von der Nakba 1948 bis in die Gegenwart. Der Film zeige: "Menschlichkeit ist und bleibt eine Form des Widerstands, die einem niemand nehmen kann", heißt es in der Jurybegründung.
Ehrenpreis für Edgar Reitz und seinen Heimat-Zyklus
Mit dem Ehrenpreis wird in diesem Jahr Edgar Reitz ausgezeichnet. Reitz wurde mit seinem Heimat-Zyklus über die Geschichte einer Familie im Hunsrück im 20. Jahrhundert weltbekannt und sei einer der prägendsten Filmemacher des deutschen Kinos, so die Mitteilung. Er habe "dem deutschen Film etwas geschenkt, das die Zeit überdauert: ein Werk von außergewöhnlicher Tiefe und Wahrhaftigkeit, das kollektive Erinnerung bewahrt und Menschen weltweit berührt", urteilte die Jury.
Den mit 5.000 Euro dotierten Debütpreis erhält in diesem Jahr erstmals ein dokumentarisches Werk. Mit ihrem autobiografischen Langfilmdebüt "Was an Empfindsamkeit bleibt" kehrt die Münchner Filmemacherin Daniela Magnani Hüller 14 Jahre nach einem überlebten Femizidversuch zu den prägenden Menschen von damals zurück und stellt die Frage nach der Verantwortung von Einzelnen, der Schule, der Justiz und der Gesellschaft "behutsam, aber ohne Blatt vor dem Mund", so die Jury.
Seit 2002 ehrt der Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds nach eigenen Angaben Filmschaffende für künstlerisch herausragende Filme mit humanistischer, gesellschaftspolitischer und friedensstiftender Dimension. Der Preis erinnert an den Regisseur Bernhard Wicki, der für sein Anti-Kriegsdrama "Die Brücke" (1959) international bekannt wurde.