München (epd). Niemand soll nach Ansicht von Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) bei seiner Berufsentscheidung "von stereotypen Rollenbildern" beeinflusst werden. Vielmehr sollten Talente, Stärken, Begabungen und Interessen bestimmen, welchen Beruf man wähle, sagte Scharf anlässlich des "Girls' Day" an diesem Donnerstag (27. April) in München: "Mädchen und Frauen müssen alle Chancen haben!" Auch das Ministerium beteiligte sich an der bundesweiten Aktion. 40 Schülerinnen der Jahrgangsstufen 8 bis 10 waren am Donnerstag im Ministerium, um Arbeits- und Berufsfelder im MINT-Bereich kennenzulernen.

Gleichzeitig mit dem "Girls' Day" findet auch der "Boys‘ Day" statt. Zahlreiche Unternehmen öffnen an diesem Tag ihre Türen, um Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit zu geben, in Berufsfelder zu schnuppern, die für sie neu, aber interessant erscheinen. Viele Frauen und Männer entschieden sich nach wie vor für als "typisch weiblich" oder "typisch männlich" geltenden Berufe. Frauen seien in den sozialen Berufen überrepräsentiert, Männer in vielen technischen und Handwerksberufen. Oft seien es einfach Klischees, die dafür sorgen, dass "typisch" geltenden Berufe gewählt werden. Dies gelte es zu durchbrechen, erläuterte Scharf.

Auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) forderte die jungen Menschen auf, sich bei der Wahl des Berufs "nicht von eigentlich längst überholten Geschlechterklischees" leiten zu lassen. Er sei "sehr froh, dass wir in einer Zeit und in einem Land leben, in denen junge Menschen alles erreichen können" - unabhängig von ihrem Geschlecht. Die Vielfalt der sich bietenden Möglichkeiten und Wege sei quasi grenzenlos, doch diese Möglichkeiten hielten einem Realitätscheck nicht immer Stand. Noch immer nähmen Rollenbilder, wie man als Frau oder Mann aufgrund seines Geschlechts zu sein habe, "viel Platz ein", kritisierte er.