München, Berlin (epd). Kritik und Bedauern nach der angekündigten Schließung aller Goethe-Institute in Russland: Die von seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow verkündete Entscheidung sei ungerechtfertigt und "sehr bedauerlich, denn sie schadet unseren Beziehungen weiter", erklärte der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Donnerstag. Vonseiten des Goethe-Instituts wurde das Aus für die Arbeit der deutschen Kulturinstitute in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk als Ende einer historischen Ära für den Kulturaustausch kritisiert.
Wadephul sagte, das Goethe-Institut habe sich "jeden Tag um gedeihliche Kulturbeziehungen und gesellschaftlichen Austausch" zwischen Russland und Deutschland verdient gemacht und diese Arbeit auch "unter schwierigsten Bedingungen" seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine fortgeführt: "Russland muss entscheiden, welche Art von Beziehungen es mit Deutschland möchte."
Reaktion auf Schließung des Russischen Hauses
Das Goethe-Institut zählte zu den letzten noch in Russland tätigen Kultureinrichtungen. Das nun erklärte Aus für die drei russischen Standorte wird als Vergeltung Moskaus auf die am Mittwoch angekündigte Schließung des sogenannten Russischen Hauses in Berlin gewertet.
Die Bundesregierung habe mit ihrer Entscheidung jedoch auf "einen klar zugeordneten Angriff" reagiert, erklärte Wadephul. Er bezog sich damit auf den Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August, für die die Bundesregierung Russland verantwortlich macht.
Goethe-Institutsleitung: "Ende einer Ära"
Die Leitung des Goethe-Instituts versteht die Entscheidung Moskaus als Zäsur: "Die Ankündigung des russischen Außenministers markiert das Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen", erklärte Präsidentin Gesche Joost. Nach dem Mauerfall seien Institute in Moskau und Sankt Petersburg eröffnet sowie 2009 der Standort in Nowosibirsk hinzugefügt worden. Über Kultur und Sprache seien die Gesellschaften beider Staaten eng miteinander verbunden worden.
Die Arbeit der deutschen Kulturinstitute in Russland sei bereits in den Vorjahren massiv eingeschränkt worden, erklärte Joost. So habe das Institut den Personalbestand im Jahr 2023 von einst 200 auf nur noch 15 Beschäftigte reduzieren müssen. Das Goethe-Institut mit seinem Hauptsitz in München teilte mit, dass man nun in enger Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt die Lage kontinuierlich sondiere. Gemeinsam soll das weitere Vorgehen in Russland besprochen werden.
Kulturrat: "Allerletzte Türen des Kulturaustausches" geschlossen
Der Deutsche Kulturrat teilte die Einschätzung des Bundesaußenministers, dass die Schließung der Kulturinstitute die deutsch-russischen Beziehungen weiter belasten wird. "Das Goethe-Institut war eines der letzten Pflänzchen des Austauschs zwischen den beiden Ländern", erklärte Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Mit der "sehr bedauerlichen" Entscheidung Moskaus würden "die allerletzten Türen des Kulturaustausches" geschlossen.