Wie soll das Gelände des ehemaligen Steinbruchs der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg künftig aussehen? Ein offener Ideenwettbewerb soll Antworten liefern. Gesucht werden Konzepte für das gesamte Areal - vom ehemaligen Abbaugebiet über die erhaltenen Gebäude bis hin zu Wegen und Zugängen. Eine dreistellige Zahl an Architektur-, Landschafts- und Stadtplanungsbüros aus ganz Deutschland hat sich nach Angaben der Gedenkstätte die Wettbewerbsunterlagen schicken lassen und an den Besichtigungsterminen teilgenommen.

Für die Gedenkstätte ist der Steinbruch weit mehr als ein künftiges Landschaftskonzept. Er ist der historische Grund dafür, dass in Flossenbürg überhaupt ein Konzentrationslager errichtet wurde. Für viele Überlebende und Angehörige gilt er als der zentrale Leidensort, sagte Projektleiter Johannes Lauer. Neben dem sogenannten Tal des Todes, das insbesondere mit der Ermordung der Häftlinge verbunden ist, steht der Steinbruch für die Zwangsarbeit. In ihm ließen die Nazis zwischen 1938 und 1945 tausende KZ-Häftlinge unter unmenschlichsten Bedingungen Granit abbauen.

Wie der Steinbruch für Besucher erschlossen werden könnte

Die Abbauarbeiten auf dem Gelände endeten am 31. März 2024. Ursprünglich sollten auch die Pachtverträge bis Ende 2025 auslaufen. Eine Lagerfläche wurde bis Endes dieses Jahres verlängert. Dort werde weiterhin Material gelagert und Stein bearbeitet, sagte Lauer. Zugleich zöge sich die Übertragung der Liegenschaften in die Länge. "Wir haben eine beschränkte Planbarkeit." Große Teile des Geländes gehörten der Stiftung Bayerische Gedenkstätten noch nicht. Deshalb gehe es in dem Wettbewerb ausdrücklich zunächst nur um Ideen und nicht um eine unmittelbare Realisierung.

Im Zentrum steht die Frage, wie der künftige Erinnerungs- und Lernort erschlossen werden kann. Der heutige Zugang sei umständlich. Besucher müssten eine Staatsstraße überqueren, durch ein Wohngebiet gehen und anschließend in einer Schleife zur Aussichtsplattform gelangen. Denkbar sei etwa ein Weg durch das Abbaugebiet, allerdings müsse entschieden werden, ob historische Arbeitsorte der Häftlinge unmittelbar berührt werden sollen. Auch der Umgang mit der Landschaft ist offen. Die Wettbewerbsteilnehmer sollen sich damit auseinandersetzen, wie die markanten Abbruchkanten künftig aussehen sollen: Soll die Natur das Gelände zurückerobern oder sollen bestimmte Bereiche bewusst freigehalten werden? "Welche Anmutung dieses Abbaugebiet in fünf bis zehn Jahren haben wird", sei eine der zentralen Fragen, sagte Lauer.

Die Häftlingstreppe als Relikt systematischer Schikane

Besondere Bedeutung hat die sogenannte Häftlingstreppe. Sie soll künftig erfahrbar, aber nicht wieder begehbar sein. In ihrem heutigen Zustand könne sie nicht geöffnet werden, ohne sie zu gefährden. In ihrer letzten Ausbaustufe 1945 habe die Treppe keine sinnvolle Funktion für den Steinbruch mehr gehabt, sagte Lauer. Für die SS sei sie vielmehr zu einem "Instrument der Schikane" geworden.

Häftlinge mussten sie mit schweren Steinen auf den Schultern hinauf- und hinunterlaufen. Zeitzeugen berichteten zudem, dass im Winter Wasser über die Stufen gegossen worden sei, damit sie gefroren. "Für uns, für die Nachkommen und Überlebenden ist die Treppe das zentrale historische Relikt, das sich jetzt noch dort auf dem Gelände befindet", sagte Lauer. Auch der polnische KZ-Überlebende Leszek Zukowski habe bei einem Besuch im vergangenen Jahr erneut die psychische und körperliche Belastung durch die Zwangsarbeit geschildert.

Historische Werkhallen könnten zum Großdepot werden

Neben der Häftlingstreppe sollen in einer zweiten Wettbewerbsphase weitere Bereiche mit einer Schmiede, Schlosserei und Maschinenhalle untersucht werden. Ein benötigtes Großdepot für historische Objekte könnte integriert werden, sagte Lauer. Bis Ende September läuft die Bearbeitungsphase des Wettbewerbs. Ende Oktober soll eine erste Jury-Sitzung stattfinden. Daraus sollen 15 Büros für die zweite Phase hervorgehen. Die prämierten Entwürfe sollen bis Ende Februar der bayerischen Staatsregierung vorgestellt und anschließend öffentlich gemacht werden.

Wann aus den Ideen konkrete Bauprojekte werden, ist dagegen noch offen. Nach dem Ideenwettbewerb müsste ein weiterer Realisierungswettbewerb folgen. Voraussetzung ist, dass die Stiftung Bayerische Gedenkstätten die betreffenden Grundstücke übernehmen kann. "Bis der Steinbruch in seiner Gesamtheit erschlossen ist, das wird nicht in den nächsten paar Jahren passiert sein", sagte Lauer.

Bis zur vollständigen Erschließung werden Jahre vergehen

Parallel läuft die Sanierung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes im Bereich des Steinbruchs. Für dessen dauerhafte Sicherung als Lern- und Erinnerungsort stehen insgesamt 13,1 Millionen Euro zur Verfügung. Das Projekt ist vom Ideenwettbewerb getrennt und soll voraussichtlich im Sommer 2027 in die Bauphase gehen. Der Kostenanstieg sei unter anderem auf den schlechteren baulichen Zustand und notwendige statische Maßnahmen zurückzuführen.