München (epd). Das bayerische Gesundheitsministerium hat den Würzburger Professor Marcel Romanos als "Sonderbeauftragten für Prävention für psychische Gesundheit und Sucht" eingesetzt. Das Ziel sei es, konsequent über Risiken aufzuklären und den Drogenkonsum zu verringern, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Montag in München. Damit setze Bayern gezielt einen anderen Schwerpunkt in der Drogenpolitik als die Bundesregierung mit ihren Cannabis-Legalisierungsplänen.

Bei diesen Plänen würden die erheblichen Gefahren für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung von Jugendlichen immer noch ignoriert, sagte Romanos, der unter anderem Leiter der Kinder und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Würzburg ist sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie (DGKJP). Die Prävention von psychischen Erkrankungen, die typischerweise früh in der Kindheit und Jugend beginnen würden, sei eine zentrale gesamtgesellschaftliche Zukunftsaufgabe. Dafür seien dringend nachgewiesen wirksame und wissenschaftlich evaluierte Konzepte nötig, die die Entwicklung von psychischen Erkrankungen und ihre Folgen effektiv verhindern könnten, sagte der Würzburger Professor.

Das Bundeskabinett will in der kommenden Woche über die Gesetzespläne zur Legalisierung von Cannabis beraten. Den Plänen zufolge sollen der Besitz von 25 Gramm Cannabis und der Anbau von drei Hanfpflanzen für den privaten Gebrauch künftig legal sein. Clubs oder Vereinen soll es zudem erlaubt werden, Cannabis für ihre Mitglieder zu produzieren. Alle neuen Regeln sollen nur für Erwachsene ab 18 Jahren gelten. Einen bundesweiten Verkauf in lizenzierten Geschäften, wie im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien vereinbart, wird es zunächst nicht geben.

Holetschek forderte die Bundesregierung auf, endlich auf die Experten zu hören und die Cannabis-Legalisierungspläne zu stoppen. "Dann könnte sie auch mehr Kraft für den Ausbau von Präventions-, Beratungs- und Hilfeangeboten verwenden." Bayern allein investiere in diesem Jahr mehr als acht Millionen Euro in Suchtpräventions- und Suchthilfeangebote.