Regensburg (epd). Nach einem innerkirchlichen Konflikt gibt Pfarrerin Marjaana Marttunen das Amt der Geschäftsführung und die erste Pfarrstelle in der Regensburger Innenstadtgemeinde auf. Sie trete im Herbst auf die vierte Pfarrstelle in der Gemeinde zurück, teilte Dekan Jörg Breu am Donnerstag in Regensburg auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. Der epd hatte zuvor über den Konflikt und Weggang von zwei weiteren Pfarrpersonen in der Gemeinde berichtet. Marttunen hatte die erste Pfarrstelle seit rund zweieinhalb Jahren inne.

Nach epd-Informationen verlässt Citykirchenpfarrerin Gabriele Kainz die Stadt und wechselt zum 1. August in die Schweiz. Darüber hinaus hat auch der vierte Pfarrer Magnus Löfflmann gekündigt und tritt am 1. September eine geschäftsführende Pfarrstelle im mittelfränkischen Fürth an. Wann die Regensburger Stellen neu besetzt werden, dazu liegen bislang keine Informationen vor.

Der Dekan sieht laut Stellungnahme im Weggang des Personals "keine Kündigungen": "Niemand wurde versetzt oder genötigt zu gehen." Breu sieht im Personalverlust seines Verantwortungsbereiches "freiwillige Bewerbungen", die "auch als Karriereschritte gesehen" werden könnten. Er räumt allerdings ein: Es habe "zwischenmenschliche Herausforderungen" gegeben. Im Pfarrteam sei es zu "kommunikativen Konflikten" gekommen, "unterschiedliche Temperamente" seien aufeinandergetroffen. Daran hätten auch zwei Mediationen nichts ändern können.

Nach epd-Informationen wollten weder Citykirchenpfarrerin Kainz noch Pfarrer Löfflmann ihre Stellen in Regensburg verlassen. Beide Theologen führen im Gespräch mit dem epd belastende Konflikte mit der Pfarramtsleitung als Grund an. Löfflmann schrieb in einem Abschiedsbrief, es sei "mehr so Wahnsinn, mit drei kleinen Kindern die sorgsam aufgebauten Zelte von A wie Abenteuerspielplatz bis Z wie Zahnarzt an völlig neuem Ort komplett von vorne wieder zu errichten". Löfflmann: "Aber es ging für mich nicht mehr und ich konnte nicht mehr wollen."

Als sich abzeichnete, dass die erste Pfarrstelle mit Geschäftsführung frei würde, warf Löfflmann seinen Hut in den Ring, um in Regensburg bleiben zu können, sagte er. Dem habe die Kirchenleitung nicht stattgegeben.

Auch Citykirchenpfarrerin Kainz wollte der Stadt nach acht Jahren kirchlicher Arbeit nicht den Rücken kehren, sagte sie dem epd. Die Citykirche sollte laut ihren Angaben nach der Fusion an die Innenstadtgemeinde angedockt werden, womit ihre Projekte "inhaltlich und finanziell" einem Citykirchenausschuss unterstanden hätten. Erst danach habe sie ihre Fühler ausgestreckt und sich einem Assessment-Prozess unterzogen, wie Kainz dem epd sagte.

Eine Person aus dem Konfliktfeld sprach im Gespräch mit dem epd von einem "Klima der Angst". Dem widerspricht Breu in seiner Stellungnahme: "Es gibt kein Klima der Angst." Als Leumund führt der Dekan eine Sekretärin an, die eine schriftliche Stellungnahme dazu verfasst habe. "Kündigungen" habe es auch im Pfarramt nicht gegeben, "sondern ein gutes Miteinander", sagte Breu laut Mitteilung.

Die Geschäftsführung der Innenstadtgemeinde übernimmt ab diesem Freitag (23. Mai) kommissarisch Pfarrer Thomas Koschnitzke, der bis zur Fusion der beiden Gemeinden im Januar 2025 Chef der Neupfarrkirche war. Es werde künftig "klare Dienstordnungen" und "abgegrenzte Arbeitsbereiche als Konsequenz geben", heißt es in der kirchlichen Mitteilung. Da Koschnitzke in absehbarer Zeit in den Ruhestand geht, werde im Herbst die Suche nach einer langfristigen Besetzung der ersten Pfarrstelle gestartet, sagte Breu.

Nach epd-Informationen will Breu die erste Pfarrstelle, die mit einer Geschäftsführung verbunden ist, nun mit einer Pfarrperson "von außerhalb des Dekanats" besetzen.