Nürnberg (epd). Die Iranerin Masoumeh Bozorgimoghadam hat kritisiert, dass das Kinderhilfswerk Unicef und andere Organisationen nicht gegen Morde an Kindern im Iran protestierten. "Internationales Schweigen gegen eine solche Diktatur ist das Gleiche, wie sie zu unterstützen", sagte die in Mittelfranken lebende Referentin am Donnerstagabend in der Evangelischen Hochschule in Nürnberg (EVHN). Die Brutalität der Regime-Kommandos gegen Jugendliche, die im Iran seit Monaten auf die Straße gingen, kenne keine Grenzen.
Sie sei stolz auf die Frauen und Mädchen in ihrem Heimatland, die sich trauten, für ihre Rechte zu kämpfen, sagte Bozorgimoghadam. Sie wolle "eine Stimme dieser Menschen im Ausland sein", sagte sie. Freigelassene Gefangene würden über Folter, Vergewaltigungen oder Behandlungen mit bewusstseinsverändernden Medikamenten berichten. Zwölfjährige Mädchen im Iran würden verschleppt und vergewaltigt. In mehr als 20 Städten im Iran seien Schülerinnen in Studentenheimen vergiftet worden. Bozorgimoghadam selbst war 2016 aus dem Iran geflohen und arbeitet jetzt an der Technischen Hochschule Nürnberg und als Lehrerin in einem Berufsschulzentrum.
Es sei nicht genug, Sympathie für die protestierenden Iranerinnen und Iraner zu äußern. "Wir müssen von unseren Politikern verlangen, sich auch mit Taten auf die Seite der Menschen im Iran zu stellen", sagte Bozorgimoghadam. Sie verlange von den europäischen Politikerinnen und Politikern, die Revolutionsgarde im Iran als Terrororganisation einzustufen. Es dürften keine wirtschaftlichen oder politischen Kompromisse mit dem Regime geschlossen werden, die Botschafter sollten aus dem Land abgezogen werden. Die Iranerin kritisierte, dass die Kinder von Revolutionsführern in Europa lebten und "ihre Freiheit genießen", ihre Landsleute aber für Freiheit sterben müssten.
Seit September 2022 gehen im Iran vor allem Frauen und junge Leute gegen das Regime der islamischen Republik auf die Straße, das seit 1979 an der Macht ist. Auslöser war der Tod der 22-jährigen Kurdin Jina Mahsa Amini am 16. September. Laut Amnesty International sind seither mehr als 22.000 Menschen bei den Massenprotesten willkürlich festgenommen worden. Demonstrierende seien aus nächster Nähe erschossen, verschleppt, gefoltert und zu langen Haftstrafen verurteilt worden, einige sogar zum Tode.