Kitzingen (epd). In der unterfränkischen Kreisstadt Kitzingen formiert sich Protest gegen eine rein männliche Stadtspitze. Weil sowohl der Oberbürgermeister- als auch die beiden Bürgermeister-Posten in Männerhand sind, hat die Wahl-Kitzingerin Simone Kirsch für diesen Donnerstag (21. Mai) ab 17.30 Uhr zur Demo "Nicht ohne uns" vor das Rathaus aufgerufen - dann nämlich trifft sich der neu gewählte Stadtrat zu seiner ersten regulären Sitzung. "Ich fühle mich als Frau von so einer Stadtspitze nicht vertreten", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Neun der 30 Kitzinger Stadtratssitze haben bei der Kommunalwahl im März Frauen geholt, erläuterte Kirsch: "Schon rein rechnerisch sollte einer der drei Bürgermeister-Posten an eine Frau gehen." Zum einen fehle durch die Nicht-Wahl von kompetenten Frauen in diese Ämter eine weibliche Perspektive auf wichtige Themen, etwa wenn es um soziale Themen wie Schwangerschaftsberatungen gehe. Zum anderen zeigten die männlichen Stadträte mit dem Wahlverhalten, wie wenig ernst sie Frauen in der Kommunalpolitik nehmen.
Kirsch: "Wollen das nicht weiter hinnehmen"
"Ich will mit der Demo zeigen: Frauen gehören in die Stadtspitze! Und: Wir haben sehr genau bemerkt, was da passiert und wollen das nicht weiter hinnehmen", betonte Kirsch, die als Parteilose für die Grünen bei der Kreistagswahl kandidiert hatte. Nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) wird Kirschs Demo-Aufruf von verschiedenen Parteien und Gruppierungen in Kitzingen unterstützt, die die Art und Weise der Postenvergabe bei der konstituierenden Stadtratssitzung mehr als kritisch sehen.
Extra zur Kommunalwahl hatte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) zusammen mit Frauen aus anderen Parteien die Initiative "Bavaria ruft" gestartet, um mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen. Ein Blick auf die Statistiken aber zeigt: Frauen stehen nicht nur seltener auf den Wahlzetteln, sie werden auch weniger häufig gewählt, weil sie oft auf weniger aussichtsreichen Plätzen aufgestellt werden. "Ich bin Mutter einer zwölf Jahre alten Tochter", sagte Kirsch: "Ich will auch ihr zeigen: So geht das einfach nicht!"