Nürnberg (epd). Nürnberg bekommt ein NSU-Dokuzentrum. Das steht im Koalitionsvertrag, den die künftige Bundesregierung am Mittwoch vorgelegt hat. Die Ankündigung habe die Stadt Nürnberg "mit Überraschung und Freude" zur Kenntnis genommen, heißt es in einer Mitteilung am Abend.

Stadtspitze und Zivilgesellschaft würden diese Entscheidung begrüßen und aktiv bei einer zeitnahen Realisierung mitwirken, hieß es weiter. Kulturbürgermeisterin Julia Lehner, die den Teil Kultur und Medien im Koalitionsvertrag mitverhandelt hatte, sagte, mit dem zukünftigen Dokumentationszentrum könnten auch drängende Themen der Gegenwart in den Blick genommen werden. Martina Mittenhuber, die Leiterin des Menschenrechtsbüros, betonte, eine enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen und Überlebenden sowie den weiteren betroffenen Städten und der Zivilgesellschaft sei Nürnberg ein wichtiges Anliegen. Erst wenn grundsätzliche Rahmenbedingungen geschaffen seien, könne die Stadt weitere Schritte wegen des Standorts und Kooperationen unternehmen.

Nürnberg hatte zuletzt zum Internationalen Tag gegen Rassismus (21. März) die neue Website "Erinnerungsorte in Nürnberg" zum Gedenken an die vier Nürnberger Opfer der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU freigeschaltet. Mit der Website wolle man die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex fördern und Menschen über Nürnberg hinaus erreichen, hieß es.

In Nürnberg erschossen die NSU-Täter am 9. September 2020 Enver Şimşek, am 13. Juni 2001 Abdurrahim Özüdoğru und Ismail Yaşar am 9. Juni 2005. Einen Bombenanschlag in seinem Nürnberger Lokal überlebte Mehmet O. am 23. Juni 1999 schwer verletzt.