München (epd). In der Debatte um NS-Raubkunst bei der Bayerischen Staatsgemäldesammlung hat der Kunstausschuss des Landtags am Mittwoch mehr Transparenz und Tempo bei staatlichen Stellen gefordert. Nach dem Antrag der Landtags-Grünen hatten kurzfristig auch Abgeordnete von CSU und Freien Wählern einen Antrag gestellt, in dem sie eine Neuausrichtung der Strukturen bei der Provenienzforschung, einen verbindlichen Zeitplan für die Ergebnisse und eine unabhängige, "schlagkräftige Taskforce" forderten. Allerdings sollen die Verbesserungen laut Antrag im Rahmen der vorhandenen Mittel erfolgen.

Noch am Dienstagmittag hatte Kunstminister Markus Blume (CSU) in einem Statement zwar gesagt, dass es bislang "keine Anhaltspunkte für die Richtigkeit der Vorwürfe" gegen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gebe. Gleichzeitig hatte er sie "zur unmittelbaren Anwendung des Leitfadens" des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste (DZK) aufgefordert, mit dessen Hilfe NS-Raubkunst identifiziert werden soll. Zudem müssten die Staatsgemäldesammlungen ihr Klassifizierungs-System "auf die Standards gemäß DZK-Ampelsystem" umstellen; alle mit Rot und Orange markierten Werke aus dem Bestand müssten in der "Lost-Art"-Datenbank des DZK eingetragen werden. Blume kündigte darüber hinaus eine "Taskforce" an, damit die Provenienzforschung im Freistaat "mehr Tempo" aufnehme. Für die zusätzlichen Stellen seien eine Million Euro vorgesehen.

Auslöser für die aktuelle Raubkunst-Debatte war eine Berichterstattung der "Süddeutschen Zeitung" in der vergangenen Woche. Der Zeitung zufolge wurden die Nachfahren von enteigneten jüdischen Kunstbesitzern nicht über NS-Raubkunst im Besitz der Staatsgemäldesammlungen informiert - dabei soll die Herkunft der geraubten Kunstwerke teils schon lange bekannt sein. Die Zeitung stützt sich auf einen 900-seitigen Auszug einer internen Datenbank von 2020, der ihr vorliegt. Der Auszug enthalte Berichte zu rund 200 möglichen NS-Raubkunstwerken. Die Staatsgemäldesammlungen - zu denen die weltbekannten Pinakotheken in München gehören - weisen die Vorwürfe "aufs Schärfste" zurück: Bei der Liste handele es sich um ein internes Arbeitsdokument, das viele Jahre alt und somit nicht mehr aktuell sei.