München (epd). Um junge Menschen bei der Antwort auf die Frage zu unterstützen, ob ein Dienst an der Waffe in der Bundeswehr für sie infrage kommt, bietet die bayerische Landeskirche eine Gewissensberatung an. Die Beratung sei "respektvoll und ehrlich, ergebnisoffen und auf Augenhöhe, am Telefon oder in einer Videokonferenz, per Email, Signal oder WhatsApp" heißt es auf der Internetseite www.kirche-an-deiner-seite.de Mehr als 40 Pfarrerinnen und Pfarrer, Religionslehrkräfte sowie Jugenddiakoninnen und Jugenddiakone der Evangelischen Jugend in Bayern bieten die niedrigschwelligen Kurzberatungen an.
Ziel sei es nicht, "zu einer bestimmten Entscheidung zu raten, sondern junge Menschen dabei zu begleiten, eine verantwortete persönliche Entscheidung zu treffen", teilte die Landeskirche dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage mit. Bei weitergehenden Fragen, etwa zur Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen, zum Wehrdienst oder zu Freiwilligendiensten, werde an die Arbeitsstelle "kokon" für konstruktive Konfliktbearbeitung der Landeskirche in Nürnberg vermittelt, hieß es weiter. Zum Thema Kriegsdienstverweigerung wurde gemeinsam mit anderen Landeskirchen ein hybrides Fortbildungsangebot für Beratende entwickelt.
Anfragen haben sich verdreifacht
Im Jahr 2026 hätten sich die Anfragen nach Beratung zum Thema Kriegsdienstverweigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum annähernd verdreifacht, teilte die Landeskirche weiter mit. Anfang des Jahres hat sie rund 22.000 evangelische junge Erwachsene in Bayern per Brief angeschrieben und sie auf das Beratungsangebot aufmerksam gemacht.
Fast alle der 20 evangelischen Landeskirchen berichten von einer steigenden Nachfrage im laufenden Jahr und einem Ausbau des Angebots, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab. Katholischerseits hat die Organisation pax christi Ende vergangenen Jahres bundesweit neue Beratungsstrukturen aufgebaut.
Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt
Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt. Die Antragszahlen haben sich seit dem Start der Wehrerfassung für alle 18-Jährigen zu Jahresbeginn deutlich erhöht. Bis zum 31. Juli gingen im laufenden Jahr 8.302 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Das waren mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr, als es 3.879 Anträge gab.
Seit 1. Januar 2026 werden alle jungen Menschen in Deutschland kurz nach ihrem 18. Geburtstag von der Bundeswehr angeschrieben, um ihr Interesse am Wehrdienst abzufragen und sie zu erfassen. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, Frauen ist es freigestellt. Die im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht ist seit 15 Jahren ausgesetzt. Durch das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz soll die Zahl der Soldatinnen und Soldaten zunächst auf freiwilliger Basis erhöht werden. Sollten sich nicht genug Freiwillige melden, kann der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschließen.