Untergriesbach, München (epd). Die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern in Bayern ernster nehmen - dies fordert der Landesschülersprecher Lukas Berger. Das Thema lege an Bedeutung zu, werde aber noch immer nicht ausreichend ernst genommen, sagte der 18-Jährige, der die zwölfte Klasse am Gymnasium Untergriesbach (Kreis Passau) besucht, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Viele junge Menschen stehen unter erheblichem Druck", sagte er - durch schulische Anforderungen, Zukunftsängste oder den ständigen Vergleich mit anderen: "Es braucht mehr Aufklärung, mehr Sensibilisierung und insgesamt einen stärkeren Fokus auf die mentale Gesundheit im schulischen Alltag."
Ob Leistungsdruck tatsächlich zu psychischen Belastungen führt, sei natürlich individuell unterschiedlich. Nicht jede Schülerin und jeder Schüler erlebe Druck in gleicher Weise. "Dennoch lässt sich insgesamt eine Tendenz erkennen, dass der schulische Leistungsdruck für immer mehr junge Menschen zu einer Belastung wird", sagte der Gymnasiast. "Dies sollte Anlass sein, genauer hinzusehen und geeignete Unterstützungsangebote auszubauen."
Brennendes Thema: KI und Seminararbeit
Zu den brennendsten Themen am Gymnasium zählt laut Berger zudem der Umgang mit Künstlicher Intelligenz und digitalen Medien. Gerade im Zusammenhang mit der W-Seminar-Arbeit ergäben sich zahlreiche neue Fragen: "Ist diese Form der wissenschaftspropädeutischen Arbeit in Zeiten leistungsfähiger KI-Systeme überhaupt noch zeitgemäß? Sollte sie grundlegend verändert oder möglicherweise sogar abgeschafft werden?"
Das W-Seminar, das aufs wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet, findet in Bayern in der Oberstufe statt. Innerhalb eines festgelegten Rahmenthemas muss jeder Schüler eine zehn- bis 15-seitige Seminararbeit - früher: Facharbeit - schreiben. Zudem muss er seine Ergebnisse mündlich präsentieren. Seit generative KI auf dem Markt ist, erleben Schulen häufig Probleme mit Arbeiten, die ganz oder teilweise nicht "eigenständig" angefertigt wurden.
"Oft wird über uns statt mit uns entschieden"
Auch die veränderte Gewichtung zwischen Arbeit und Präsentation werfe Fragen nach Fairness und Chancengleichheit auf, sagte Berger. Mit dem aktuellen Abiturjahrgang hat das Kultusministerium das Verhältnis geändert: Vorher zählte die Arbeit dreimal so viel wie das Prüfungsgespräch, nun zweimal, was diesem mehr Gewicht verleiht. Es brächten jedoch nicht alle Schüler beim Präsentieren die gleichen Voraussetzungen und Stärken mit, gab Berger zu bedenken.
Berger, der in Thierham (Gemeinde Sonnen) wohnt, wurde 2025 zum Landesschülersprecher gewählt und vertritt damit Gymnasiasten in ganz Bayern. Das Engagement finde vor allem durch den Dialog mit den zuständigen Stellen statt, sagte er. Entscheidend sei, Probleme sichtbar zu machen, Anliegen der Schüler zu bündeln und diese in Gesprächen mit Politik, Ministerium und weiteren Verantwortlichen einzubringen: "Durch konstruktiven Austausch und beharrliche Interessenvertretung lassen sich langfristig Verbesserungen erreichen", zeigte er sich optimistisch.
Grundsätzlich sei er der Meinung, dass die Stimme von Schülern politisch noch stärker gehört werden sollte, so Berger: "Zwar wird mittlerweile häufiger mit uns gesprochen als noch vor einigen Jahren, dennoch wird oft weiterhin über uns statt mit uns entschieden." Wer von politischen Entscheidungen unmittelbar betroffen ist, sollte jedoch auch angemessen in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Nur so könnten bestmögliche Lösungen entstehen, die den Bedürfnissen der Schüler gerecht werden.