München (epd). Der Bayerische Philologenverband (bpv) fordert, die Englisch-Stunden in den dritten und vierten Klassen für Deutschunterricht zu verwenden. "Dass jeder vierte Viertklässler nicht richtig lesen kann, ist alarmierend", sagte der bpv-Vorsitzende Michael Schwägerl als Reaktion auf das schlechte Abschneiden deutscher Grundschüler bei der sogenannten IGLU-Studie. Eine gute Lesekompetenz sei "Grundlage für eine erfolgreiche Schullaufbahn, für das spätere Berufsleben und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben".

Es sei dringend notwendig, dass Grundschulen die Sprache Deutsch verstärkt in den Mittelpunkt rücken, erläuterte der bpv-Vorsitzende. Alle Schülerinnen und Schüler bräuchten für die weiterführenden Schulen eine solide Basis beim Lesen, in der Rechtschreibung und in der Grammatik - gerade angesichts einer steigenden Zahl von Schülern mit Migrationshintergrund. "Diese geraten ansonsten in Gefahr, abgehängt zu werden, was zu Frustration und Schulverdrossenheit führt." Das bayerische Schulsystem dürfe kein Kind zurücklassen.

Laut der am Dienstag vorgestellten IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) kann jeder vierte Viertklässler in Deutschland nicht richtig lesen. 25 Prozent der Kinder in dieser Altersstufe erreichten nicht das Mindestniveau beim Textverständnis, das für die Anforderungen im weiteren Verlauf der Schulzeit nötig wäre. Sie müssten "dementsprechend mit großen Schwierigkeiten im weiteren Verlauf der Schul- und Berufszeit rechnen". Bei der letzten IGLU-Studie Ende 2017 lag der Anteil dieser Gruppe noch bei 19 Prozent.