München, Leipzig (epd). Der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Ralf Ludwig, rechnet im Fall einer AfD-Regierung nach der Landtagswahl in Sachsen Anhalt mit deutlichen Einschnitten im Programm. Sollte die AfD den Medienstaatsvertrag wie angedroht kündigen, würden mindestens Sportberichterstattung und Unterhaltungsformate verloren gehen, sagte Ludwig in einem Interview mit dem Nachrichtenportal "WEB.DE News" in München. "Und wenn die AfD meint, das müssten die Menschen in Sachsen-Anhalt dann eben über Abo-Formate zubuchen, dann bewegt sie sich nicht mehr auf der Grundlage der Verfassung", sagte er.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei verpflichtet, ein vielfältiges Programm für alle Teile der Bevölkerung anzubieten. Ein neues System wäre nach Einschätzung von Ludwig zudem nicht zwangsläufig günstiger für die Beitragszahler. Die Menschen müssten bis Ende 2028 den jetzigen Rundfunkbeitrag weiter entrichten und parallel einen weiteren Beitrag für den Aufbau neuer Strukturen bezahlen. Besonders kritisch bewertete der Intendant eine von der AfD ins Spiel gebrachte Steuerfinanzierung. Damit wäre das hohe Gut der Staatsferne nicht gewährleistet. Die Regierung könne einen Sender dann für politische Belange missbrauchen.
Historischer Verweis auf DDR-Zeiten
Ludwig verwies bei seiner Kritik auf historische Erfahrungen aus der Zeit bis 1989. All die Menschen, die in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gelebt und den staatlich regulierten Rundfunk der DDR erlebt hätten, wüssten genau, wovon er rede. Zudem verteidigte er die Entscheidung des MDR, im Wahlkampf über die Konsequenzen einer möglichen AfD-Regierung zu informieren und dagegen zu protestieren. Dass eine Partei so radikal die Axt an einen Grundstein der Demokratie anlegen wolle, habe es in der jüngeren Geschichte noch nie gegeben.