Nürnberg (epd). Auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg haben Medienschaffende darüber diskutiert, wie Lokaljournalismus sich in Krisenzeiten behaupten kann. Viele Menschen seien nachrichtenmüde, sagte Verena Kögel, Programmleiterin von Radio Arabella, beim Panel "Konstruktiver Lokaljournalismus in der Praxis". Ihr Sender versuche daher, Menschen nicht weiter zu beunruhigen und positive Emotionen zu verbreiten. Für Alexandra Haderlein, Gründerin der Relevanzreporter, bietet konstruktiver Journalismus die Möglichkeit, Nutzerinnen und Nutzern einen Ausweg aus Ohnmachtsgefühlen anzubieten, indem nicht nur die Probleme, sondern auch Lösungsideen aufgezeigt werden.

Haderlein betonte die Bedeutung des Lokaljournalismus für die Gesellschaft. Studien zeigten, dass ohne ihn der soziale Zwiespalt wachse, Sympathien für extreme Denkweisen zunähmen und Korruption ansteige. Beim Podiumsgespräch "Lokalmedien in Zeiten globaler Krisen" bezeichnete der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbands, Harald Stocker, Lokaljournalisten als Experten für globale Krisen schlechthin, da viele Themen von Energiekrise bis Klimawandel irgendwann auch in den Rathäusern ankämen. Gerade dann hätten Menschen ein besonderes Bedürfnis nach Information. Man könne globale Krisenthemen nicht ausblenden, aber könne entscheiden, wie man an ein Thema herangehe, ohne die Nutzer zu frustrieren.

Laut Daniel Pesch, Geschäftsführer von TV Mainfranken, hat sich vor allem verändert, wie die Zuschauer auf Inhalte reagieren. "Die Fähigkeit, verschiedene Ansichten auszuhalten, ist seit Corona viel geringer geworden", sagte er bei der Podiumsdiskussion. Die Herausforderung sei, auch in Zukunft als glaubwürdig und verlässlich wahrgenommen zu werden und sich auf die neue Art des Feedbacks einzustellen.