München (epd). Sprach- und Motorikstörungen haben bei Vorschulkindern in Bayern laut der Krankenkasse Barmer einen Höchststand erreicht. "Die Zahlen verdeutlichen, dass viele Kinder Unterstützung bei Sprache und Motorik brauchen", sagte der bayerische Barmer-Landesgeschäftsführer Alfred Kindshofer am Donnerstag in München. Für den sogenannten Kinderatlas wertete die Kasse ambulante Diagnosen aus. Danach wurde 2024 bei 25,7 Prozent der Vorschulkinder eine Sprech- oder Sprachstörung festgestellt.
Hochgerechnet seien das mehr als 133.000 Kinder im Freistaat, teilte die Kasse mit. Motorische Entwicklungsstörungen seien bei 6,8 Prozent der Kinder unter sechs Jahren diagnostiziert worden, das entspreche rund 51.000 Kindern.
Deutlicher Anstieg seit 2005
Von 2005 bis 2024 stieg der Anteil der Kinder mit einer entwicklungsbedingten Störung der Sprache den Angaben zufolge von 19,6 auf 25,7 Prozent. Bei den motorischen Störungen gab es im selben Zeitraum eine Zunahme von 5,4 auf 6,8 Prozent. Jungen sind demnach häufiger betroffen als Mädchen.
Kindshofer verwies auf die Bedeutung persönlicher Zuwendung: "Kinder lernen durch Sprechen, Spielen und Bewegen. Diese Aktivitäten fördern nicht nur ihre Entwicklung, sondern auch soziale Kompetenzen." Digitale Medien könnten echte Interaktionen nicht ersetzen, sagte er.
Eltern sollten sich bei Auffälligkeiten an eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt wenden, empfahl die Kasse. Vorbeugend sollten sie viel mit ihren Kindern sprechen, den Medienkonsum begrenzen und Bewegung in den Alltag einbauen. Wichtig sei auch, die Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.