Augsburg (epd). Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Wortbruch seines vor fünf Jahren gegebenen Wohnungsbau-Wahlversprechens vorgeworfen. "Die Ankündigung Söders war ein klassisches Märchen", sagte der SPD-Kommunalpolitiker der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwoch). Stattdessen würden in München derzeit Tausende einst günstige Mietwohnungen der vor zehn Jahren privatisierten Gemeinnützigen Bayerischen Wohnungsgesellschaft GBW luxussaniert oder verkauft. Den GBW-Verkauf hatte Söder als damaliger bayerischer Finanzminister zu verantworten.
"Ich halte das für den größten wohnungspolitischen Skandal, den es je gegeben hat", sagte Reiter. Von den einst 33.000 staatseigenen GBW-Wohnungen entfielen 9.000 auf die Landeshauptstadt: "Die Möglichkeit, nur die Münchner Wohnungen der staatseigenen Gesellschaft GBW zu kaufen, wurde meinem Vorgänger damals verwehrt. Die Umwandlung der einst staatseigenen Wohnungen verschärfe die Lage auf dem angespannten Münchner Mietmarkt zusätzlich. "Wir schaffen es, mit unseren städtischen Wohnungsbaugesellschaften rund 1.500 Wohnungen pro Jahr zu bauen", sagte Reiter. Auf der Warteliste stünden aber 25.000 Personen.
Die 2018 - nach dem Streit um die GBW-Wohnungen - gegründete neue staatliche Wohnungsbaugesellschaft Bayernheim sollte bis 2025 rund 10.000 neue, bezahlbare Wohnungen baue. In München habe die Bayernheim keinen einzigen Neubau geschaffen, monierte Reiter: "Die Bayernheim hat meines Wissens bisher in Bayern nur rund 300 Wohnungen erworben, aber noch keine einzige neu gebaut."