München (epd). Die starke Ausbreitung des RS-Virus hat im vergangenen Winter laut einer Analyse der Krankenkasse DAK für einen regelrechten Ansturm auf die bayerischen Kinderkliniken gesorgt: Die Zahl der Klinikbehandlungen wegen des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) habe bei den Unter-Einjährigen im vierten Quartal 2022 fünfmal höher als im gleichen Zeitraum 2018, teilte die DAK Bayern am Dienstag mit. Bei den ein- bis zweijährigen Kleinkindern fiel der Anstieg deutlich geringer aus.
Die bayerische DAK-Chefin Sophie Schwab sagte, die Analyse zeige nochmals "die dramatische Situation des vergangenen Winters auf". Einen drastischen Anstieg gab es auch bei den besonders schweren Fällen: So wurden im Freistaat im vergangenen Winter mehr als dreimal so viele Babys intensivmedizinisch behandelt wie vor der Pandemie. Im bundesweiten Vergleich stiegen die RSV-Krankenhausfälle in Bayern stärker an. Die Behandlungen auf den Intensivstationen dagegen nahmen im Bund stärker zu.
Der Leiter des Bereichs pädiatrische Infektiologie und Immunologie am Universitätsklinikum Würzburg, Professor Johannes G. Liese, sieht für den starken Anstieg der RSV-Fallzahlen verschiedene Gründe: "In erster Linie sind hierfür die nicht-pharmazeutischen Maßnahmen während der Corona-Pandemie wie Kontaktverbote oder Schulschließungen zu nennen." Das Nachholen der RSV-Infektionen nach Ende der Covid-Maßnahmen führte zu einem "überaus starken Wiederanstieg an RSV-Erkrankungen in allen Altersgruppen".
Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse wurden die Abrechnungsdaten von rund 106.000 bayerischen DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahre herangezogen - darunter mehr als 6.800 Neugeborene und Säuglinge im Alter von unter einem Jahr. Analysiert wurden die Jahre 2017 bis 2022. Die DAK ist mit 5,5 Millionen Versicherten bundesweit - und rund 750.000 davon alleine in Bayern - die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands.