München, Tirana (epd). Umweltschützer fordern die Flughafen München-Gesellschaft (FMG) auf, sich aus einem Flughafenprojekt in Albanien zurückzuziehen. Das Unternehmen würde sich sonst an einer großen Naturzerstörung beteiligen, haben der Vorsitzende des Bund Naturschutz Bayern, Richard Mergner, und der Geschäftsführer von EuroNatur, Gabriel Schwaderer, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz erklärt. Der Flughafen Vlora würde in einem international bedeutenden Feuchtgebiet entstehen, in dem viele Arten von Wasservögeln überwintern und das ein Durchzugs- und Brutgebiet von rosa Flamingos, Reihern und Krauskopf-Pelikanen ist. Das Vorhaben in einem Naturschutzgebiet sei "Irrsinn" und ein "Skandal", sagten Mergner und Schwaderer.

Die Betreiberfirma Munich Airport International (MAI), eine 100-prozentige Tochter der Flughafen München-Gesellschaft (FMG), ist Partnerin bei dem Vorhaben in der Nähe der Narta-Lagune an der albanischen Adria, sagte Mergner. Die albanische Regierung würde sich auf den deutschen Partner berufen, um die Seriosität des Projekts zu begründen. Gesellschafter der FMG sind den Angaben nach der Freistaat Bayern mit 51 Prozent, die Bundesrepublik Deutschland mit 26 Prozent und die Landeshauptstadt München mit 23 Prozent.

Inzwischen seien eine vier Kilometer lange geschotterte Start- und Landepiste und Entwässerungskanäle angelegt worden und erheblicher Schaden entstanden, sagte Schwaderer, der sich vor Ort zusammen mit Mergner ein Bild gemacht hat. Die eigentliche hohe Belastung für die Umwelt würde aber entstehen, wenn der Flugplatz in Betrieb gehe und in dem Gebiet noch Urlaubs-Areale mit Hotels, Strandgebiete und Yachthäfen entstünden.

Die albanische Regierung habe für das Projekt nachträglich die Grenzen eines Naturschutzgebiets verändert, kritisierte Mergner. Der Bau habe Ende 2021 begonnen, eine Baugenehmigung habe aber erst seit Februar 2023 vorgelegen. Gegen den geplanten Flughafen hätten sich inzwischen auch die EU-Kommission und das Europäische Parlament ausgesprochen. Zwei Klagen albanischer Naturschutzverbände seien bei albanischen Gerichten anhängig. Erste Urteile würden im Herbst erwartet.