Ansbach (epd). Mit einer neuen Schulung will der Verein "Straffälligenhilfe - Netzwerk im Landgerichtsbezirk Ansbach" verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren in sozialen Kompetenzen schulen und damit vor einer möglichen späteren Straffälligkeit bewahren. "Uns haben regelmäßig Anfragen erreicht, ob wir nicht auch für Jugendliche unterhalb der Strafmündigkeitsgrenze von 14 Jahren ein Angebot haben", sagte die Sozialpädagogin Jana Schallenmüller dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zusammen mit ihrer Kollegin Joana Sämann hat sie das neue Trainingsprogramm entwickelt.

Das Angebot richtet sich an zwei Zielgruppen: zum einen an Schulklassen, in denen das siebenwöchige Programm rein präventiv angewendet wird, zum anderen aber auch an Kinder und Jugendliche, die mit ihrem Verhalten bereits des Öfteren angeeckt sind. "Soziale Kompetenz ist etwas, das maßgeblich vom Elternhaus vermittelt werden sollte", sagte Schallenmüller. "Aber wir wissen ja auch, wie die Realität aussieht: Viele Kinder und Jugendliche bekommen nicht mal mehr klassische Alltagskompetenzen vermittelt - also, sie können keine Waschmaschine oder Backöfen bedienen."

In den sieben Kurseinheiten soll es darum gehen, typische Situationen aus dem Alltag friedlich zu lösen und erst gar nicht zu Konflikten anschwellen zu lassen. "Es geht um Kommunikation, um Gefühle, um Selbstwert, um die Akzeptanz von nicht veränderbaren Dingen, ums Bitten, ums angemessene Nein-Sagen und vieles mehr", erläuterte Sämann. Das klinge für viele Menschen banal, aber im "Schulhofalltag" eskalierten inzwischen auch schon bei den Jüngsten kleine Konflikte: "Da werden Elfjährige ausfällig oder auch körperlich - und nicht nur in sozialen Großstadt-Brennpunkten."

Die zweite Zielgruppe seien Kinder und Jugendliche, die im Rahmen einer sogenannten Hilfe zur Erziehung zum Kurs geschickt werden, sagte Sämann. Das "Training sozialer Kompetenzen" sei für jene Kinder und Jugendliche geeignet, die man eben noch nicht zu einem Anti-Gewalt-Training schicken will, erläuterte sie. "Die Anti-Gewalt-Kurse richten sich in der Regel gezielt an junge Männer, unser Training ist offen für alle Geschlechter, um Defizite im Sozialverhalten auszumerzen, bevor sie zu strafrechtlich relevantem Verhalten führen", erläuterten Schallenmüller und Sämann.

Das Training sozialer Kompetenzen soll Anfang November mit einem ersten Kurs starten. Finanzielle Starthilfe für das Projekt hat der Verein von der Evangelischen Allianz Ansbach erhalten. Bei einem Open-Air-Gottesdienst wurden mehr als 1.800 Euro gesammelt, die an die Straffälligenhilfe gespendet wurden.