München (epd). Mit neuen Teilhabeformaten und noch mehr inklusiven Angeboten rüstet sich das NS-Dokumentationszentrum München für die Zukunft. Seit seiner Eröffnung im April 2015 habe das Zentrum "eine Lücke in der Erinnerungsarbeit in München geschlossen", sagte der städtische Kulturreferent Anton Biebl am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz des NS-Dokuzentrums. Dessen Direktorin Mirjam Zadoff, die das Zentrum seit fünf Jahren leitet, nannte das Haus einen Solitär: "Es ist keine klassische Gedenkstätte, aber auch kein klassisches Museum." Noch mehr Vernetzung, Inklusion, Digitalisierung und Teilhabe seien die Stichworte für die nächsten Jahre.
Der Bereich "Inklusion" werde künftig beispielsweise durch vier Gebärdendolmetscher verstärkt, die Rundgänge für Gehörlose und Hörende anbieten sollen. Die Dolmetscher hätten eine eigene Ausbildung speziell für das NS-Dokumentationszentrum absolviert, sagte Zadoff. Dass das Museum seit 2020 dank eines Stadtratsbeschlusses keinen Eintritt mehr koste, gehöre ebenfalls zum Thema Inklusion. Zudem wolle man politisch aktuelle Fragen der Besucherinnen und Besucher aufgreifen. "Wir arbeiten immer im Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart", betonte die Direktorin.
Dennoch dürfe man über den Gegenwartsbezug nicht die Quellen und die persönlichen Erfahrungen der NS-Verfolgten vergessen. Deshalb bringe das NS-Dokumentationszentrum in seiner nächsten Wechselausstellung mit dem Titel "Wichtiger als unser Leben" ab Juni erstmals das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos nach München. Im Herbst werde sich dann eine Schau mit polnischer Gegenwartskunst zur Shoa beschäftigen. Durch das breite Themenfeld, zu dem auch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Opfergruppen in der NS-Zeit gehöre, erreiche man verschiedene Zielgruppen, führte Zadoff aus.