Nürnberg (epd). Alle sind glücklich und zusammen, das ist das Image des Weihnachtsfestes. Die evangelische Nürnberger Pfarrerin Sandra Zeidler erlebt aber bei Gesprächen in der Gemeinde und im Bekanntenkreis viele Menschen, denen nicht zum Feiern zumute ist. "Sie sind allein, weil jemand in diesem Jahr gestorben ist, wegen einer Scheidung oder weil die Kinder in diesem Jahr nicht heimkommen", sagt sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Zeidler feiert daher zusammen mit der katholischen Pastoralreferentin Regina Pock erstmals einen Gottesdienst unter dem Motto "O du Fröhliche für Traurige" an Heiligabend (16 Uhr) in der Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche.
"Wo, wenn nicht in der Kirche, kann der Raum sein, Traurigkeit zuzulassen?", fragt die Pfarrerin. Die Kirche könne der Raum sein, "wo ich weinen kann, mich aufgehoben fühle und keine schöne Fassade aufbauen muss". Die Frohe Botschaft, die mit Weihnachten verbunden sei, werde in dem Gottesdienst aber ebenso vorkommen, "denn Weihnachten wird uns ja neue Hoffnung für einen Neuanfang geschenkt".
Der Gottesdienst beginnt zwar um 16 Uhr, erklärt Zeidler, aber bereits um 15.30 Uhr könnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen und sich untereinander austauschen oder eine Kerze für einen Verstorbenen anzünden. Während des Gottesdienstes werden Zettel verteilt, auf denen man Fürbitten notieren kann. Zeidler verspricht gute Musik mit Flöte und Klavier und den Song "Fluss" der Sängerin Wilhelmine, der das Thema aufgreift, vor Weihnachten fliehen zu wollen. Nach dem Gottesdienst gibt es Punsch und Plätzchen.
Die Idee für den Gottesdienst hat Zeidler aus Hamburg. Dort findet seit einigen Jahren bereits eine Feier auf dem Friedhof Ohlsdorf statt. Dort geht es "fröhlich in aller Traurigkeit" zu, sagen die Veranstalter, die evangelische Ritualagentur St. Moment.