Berlin, München (epd). In Deutschland leben laut dem Paritätischen Gesamtverband so viele Menschen in Armut wie noch nie seit 2020. Im vergangenen Jahr seien 13,34 Millionen Menschen arm gewesen, erklärte der Verband am Dienstag unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Damit waren demnach 16,1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Seit einem Tiefstand im Jahr 2023 sei die Zahl der Armen um gut 1,2 Millionen gestiegen, heißt es im neuen Armutsbericht des Paritätischen.

Zwischen den Bundesländern sind die Unterschiede erheblich: Während in Bayern mit etwa jeder achten Person (12,6 Prozent) bundesweit am wenigsten Menschen von Armut betroffen sind, führt Bremen die Statistik weiterhin mit Abstand an: In dem Stadtstaat lebt mehr als jede vierte Person in Armut (27,5 Prozent). Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und dem mit der höchsten Armutsquote ist gegenüber dem Vorjahr nochmals gewachsen (von 14,1 auf 14,9 Prozentpunkte). Dies verdeutliche eine weitere Spreizung der Lebensverhältnisse zwischen wirtschaftsstarken und strukturschwächeren Regionen, so der Armutsbericht. Armut sei in Deutschland auch ein stark regional geprägtes Phänomen.

Das soziodemografische Profil von Armut habe sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert, hieß es im Armutsbericht weiter. "Nach wie vor sind Alleinerziehende sowie alleinlebende Personen die am stärksten von Armut betroffenen Haushaltsgruppen." Überdurchschnittlich hoch sei die Armut auch in den Altersgruppen zwischen 18 und 25 sowie ab 65 Jahren.

"Gegen Armut hilft in erster Linie Geld"

2020 waren dem Bericht zufolge etwa 13,2 Millionen Menschen in Deutschland arm. Die Zahl sank dann bis 2023 auf rund 12,1 Millionen. Danach ging sie wieder nach oben. Wegen veränderter Erhebungsmethoden sind Daten aus der Zeit vor 2020 mit den späteren Berechnungen nur eingeschränkt vergleichbar, wie der Paritätische erläuterte.

Der Verband forderte als Konsequenz aus der Entwicklung eine Ausweitung sozialpolitischer Leistungen. Die Regierung müsse eine Politik zu machen, "die Armut bekämpft statt verwaltet", erklärte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock. Ständig neue Kürzungen zu diskutieren, schüre hingegen Angst und Unsicherheit und spiele "Populisten und Extremisten in die Hände".

Als arm gelten laut EU-Definition Menschen, die in einem Haushalt leben, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Haushalte in Deutschland zur Verfügung hat. Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 1.445 Euro im Monat für einen alleinlebenden Menschen. Zum Einkommen gehören dabei unter anderem Löhne, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen.