München (epd). Die neue Pisa-Studie, deren Ergebnisse am 8. September veröffentlicht werden sollen, kann laut der Pädagogikprofessorin Katja Scharenberg sehr gut Unterschiede deutlich machen und Bildungstrends aufzeigen. "Sie kann aber nicht eindeutig zeigen, was die genaue Ursache für die Ergebnisse ist", sagte die Erziehungs- und Sozialisationswissenschaftlerin von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Dazu gehöre auch das Thema Bildungsgerechtigkeit. "Bildungserfolg hängt in Deutschland leider nach wie vor stark mit der sozialen Herkunft zusammen", sagte Scharenberg. Die Pisa-Studie beschreibe Ungleichheiten und könne teilweise zeigen, mit welchen Merkmalen diese zusammenhängen. "Die bisherigen Pisa-Studien haben gezeigt, dass Jugendliche aus privilegierten Familien im Durchschnitt höhere Kompetenzen erzielen und häufiger ein Gymnasium besuchen." Doch bilde die Studie keine individuellen Bildungsverläufe ab, sondern untersuche 15-Jährige zu einem bestimmten Zeitpunkt. "Bildungsungleichheiten entwickeln und verstärken sich aber über den gesamten Bildungsverlauf", sagte die Forscherin.

Scharenberg: Basiskompetenzen gezielt stärken

Deshalb müsse man für mehr Bildungsgerechtigkeit sehr viel früher ansetzen und Kinder individuell betrachten und unterstützen. Auch die Übergänge im Bildungssystem müssten auf den Prüfstand. "Die frühe Trennung in die verschiedenen Schularten in Deutschland kann bereits bestehende Unterschiede noch weiter verstärken."

Die LMU-Professorin sprach sich dafür aus, sprachliche und mathematische Kompetenzen unabhängig von den Ergebnissen der aktuellen Studie systematisch zu fördern. "Wer nicht sicher lesen, schreiben und rechnen kann, hat auch in anderen Fächern und im weiteren Bildungsweg erhebliche Nachteile." Zugleich müsse man in einer digitalisierten und immer stärker von KI geprägten Zeit weiter denken. Jugendliche müssten genauso lernen, Informationen zu recherchieren und deren Glaubwürdigkeit einzuschätzen.

Anstoß für Debatten und Reformen

Hier zeige sich eine Grenze der Pisa-Studie, da sie nur einen Ausschnitt dessen erfasse, was Bildung ausmacht. "Schule an sich hat einen viel umfassenderen Bildungsauftrag, als eine Studie abbildet, die ausgewählte Kompetenzen international vergleicht." Die Studie sei insgesamt aber ein sinnvolles Instrument des Bildungsmonitorings, das politische Debatten und Reformen anstoßen könne.

Die Erhebungen für Pisa 2025 fanden im Zeitraum von März bis Mai 2025 statt. Wie in den vorherigen Erhebungsrunden wurden die Kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik erfasst. Nach 2006 und 2015 liegt der Schwerpunkt wieder auf den Naturwissenschaften. Zusätzlich wurden die Domäne "Lernen in der digitalen Welt" sowie erstmals die Fremdsprachenkompetenz Englisch erhoben. Die Ergebnisse für diese Bereiche werden erst im kommenden Jahr erwartet.