Salzgitter, München (epd). Mehr als 40 Jahre nach dem schweren Atomunfall in Tschernobyl schwindet die Radioaktivität aus Wildpilzen in Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) weiter. Es sei inzwischen wieder unbedenklich, selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen zu essen, teilte die Behörde am Freitag in Salzgitter mit. Insbesondere in einigen Regionen in Süddeutschland könnten Wildpilze aber nach wie vor auffällige Gehalte an radioaktivem Cäsium-137 aufweisen.

"Aus Sicht des Strahlenschutzes spricht nichts dagegen, selbst gesammelte Pilze zu essen", sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini. Die Strahlendosis sei bei einem maßvollen Verzehr gering, auch wenn vereinzelt stärker mit radioaktivem Cäsium belastete Pilze dabei sein sollten. Ob man sich dieser geringen, aber vermeidbaren Strahlendosis aussetzen wolle, müsse jeder individuell entscheiden. Der Pilzbericht des BfS biete hier eine Entscheidungshilfe.

Semmelstoppelpilze sind höher belastet

Für den Pilzbericht untersucht das BfS jährlich wild wachsende Speisepilze von ausgewählten Standorten in Bayern auf ihren Gehalt an Cäsium-137. Abhängig von der Pilzart und der Cäsium-Kontamination des Bodens am Sammelstandort unterschieden sich die Messergebnisse teilweise stark, hieß es: "Manche Pilzarten enthalten grundsätzlich wenig Cäsium-137, andere nehmen besonders viel von dem radioaktiven Stoff auf, was bei stärker belasteten Böden zu hohen Messwerten führt." Der aktuelle Bericht enthält die Messwerte der Jahre 2023 bis 2025.

Die Liste mit den höchsten Cäsium-137-Werten führen den Angaben zufolge Semmelstoppelpilze und Rotbraune Semmelstoppelpilze an. In einigen Proben von einem stark belasteten Standort im Bayerischen Wald fanden die BfS-Fachleute über 2.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse.

Werte über 1.000 Becquerel pro Kilogramm gab es außerdem bei Maronenröhrlingen, Trompetenpfifferlingen, Elfenbeinschnecklingen, Seidigen Ritterlingen, Dickblättrigen Schwärztäublingen und Blassblauen Rötelritterlingen. Die Einheit Becquerel gibt die Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Sekunde an. Wildpilze und andere Pilze im Handel dürfen nicht mehr als 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm enthalten.

Radioaktives Cäsium hat eine Halbwertzeit von 30 Jahren

Cäsium-137 ist ein radioaktives Isotop des Elements Cäsium, das nicht natürlich vorkommt. Es entsteht unter anderem bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken. Seine Halbwertszeit beträgt etwa 30 Jahre. Das bedeutet, dass die Menge an Cäsium-137, die sich 1986 in Deutschland am Boden ablagerte, bis heute zu rund 60 Prozent zerfallen ist.