München (epd). Zu konstruktivem Austausch und gegenseitigem Respekt haben sich die Mitglieder des bayerischen "Dialogforums Religion und Integration" in einer gemeinsamen Erklärung verpflichtet. "Der interreligiöse Dialog schafft mehr Verständnis füreinander", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei einer Pressekonferenz am Montag. Er sei "sehr stolz" auf die Erklärung, weil sie zeige, dass sich "alle Unterzeichner der großen gemeinschaftlichen Verantwortung" für ein gelingendes Miteinander bewusst seien.

Im gegenseitigen Zuhören wachse das Verständnis für die Position der anderen, sagte der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp: "So entsteht Gemeinschaft, Gemeinsinn." Der Dialog der Religionen sei deshalb "ein wichtiger Beitrag zum Weltfrieden" und "eine Aufgabe aller Religionen". Der katholische Augsburger Bischof Bertram Meier betonte, dass die Gesellschaft davon profitiere, "wenn Religionen mit- und nicht gegeneinander handeln". Die gemeinsame Erklärung wolle die Voraussetzung dafür schaffen, "damit Dialog sachlich, konstruktiv und nachhaltig wirken kann".

"Differenziertes Denken wichtiger denn je"

Elias Dray, Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg, bezeichnete die Fähigkeit zum differenzierten Denken als "wichtiger denn je". Er nehme in ganz Europa ein "fatales System" wahr: "Man bildet sich seine Meinung nicht mehr nach Verständnis, sondern nach Gruppenzugehörigkeit - das ist eine gefährliche Entwicklung." Dialog bedeute nicht, dass alle einer Meinung sein müssten. "Dialog bedeutet: Ich höre die Sichtweise des anderen, und wenn ich widerspreche, dann mit Respekt."

Der Penzberger Imam Benjamin Idriz bezeichnete die Erklärung des Dialogforums als "Manifest des Vertrauens und Meilenstein für den interreligiösen Dialog in Bayern". Dieser sei kein Randthema der Religionsgemeinschaften, sondern "die Zukunft unserer Gesellschaft". Demokratien zerbrächen nicht daran, dass Menschen unterschiedlicher Meinung seien, sondern dass sie aufhörten, miteinander zu sprechen.

"Friedlich, frei und sicher"

Das "Dialogforum Religion und Integration" ist eine Initiative des bayerischen Innenministers. Abgesandte von rund 30 Religionsgemeinschaften, Netzwerken und Bündnissen haben sich im Herbst 2025 und im Frühjahr 2026 getroffen, um über die Zukunft des interreligiösen Dialogs zu sprechen. In ihrer "Gemeinsamen Erklärung" betonten sie das Ziel, in Bayern "friedlich, frei und sicher auf der Basis gemeinsamer Werte wie Menschenwürde, Demokratie und Gleichberechtigung" zusammenleben zu wollen.

Man sei der Überzeugung, dass den Religionen "eine Schlüsselrolle für ein friedliches Miteinander" auf der Basis des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung zukomme. Schließlich trügen sie "bedeutende Werte wie Menschenwürde und Solidarität in unsere Gesellschaft und haben das Potential zu verbinden, zu integrieren und zu versöhnen", heißt es in der Erklärung. Innenminister Herrmann betonte, dass das Papier der Auftakt zu weiteren Dialog-Treffen sei: "Jetzt geht's erst richtig los."

Austausch auch in Krisenzeiten

Alle Unterzeichner-Organisationen erklärten sich bereit, auch "in schwierigen Zeiten" und bei Meinungsverschiedenheiten im konstruktiven Austausch zu bleiben. Außerdem arbeite man "auf allen Ebenen" daran, das Wissen übereinander und den gegenseitigen Respekt zu fördern. Respekt, Toleranz und der Kampf gegen "extremistische Ideologien, religiösen Fundamentalismus sowie Hass und Hetze" seien gemeinsames Ziel, genauso wie der Kampf gegen Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung.

Dem Forum gehören neben der katholischen Kirche und der evangelischen Landeskirche unter anderem auch die Spitzen des Landesverbands Israelitischer Kultusgemeinden, der Europäischen Rabbinerkonferenz, des Landesverbands Zentralrat der Muslime, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern und verschiedener orthodoxen Kirchen, der Buddhistischen Union sowie Vertretern von Universitäten, Akademien und dem Bayerischen Bündnis für Toleranz an.