Bamberg (epd). Rund 200 Menschen haben am Montagabend bei einer Asyl-Mahnwache auf der Unteren Brücke in Bamberg gegen die geplante Abschiebung der Eritreerin Tsigehana Teklai demonstriert. Außerdem seien seit Samstag etwa 600 Unterschriften für eine Aussetzung der Abschiebung gesammelt worden, teilte das evangelische Dekanat Bamberg am Dienstag mit. 2018 gewährte die evangelische Kirchengemeinde in Hallstadt der Frau und ihrer Tochter wegen einer drohenden Abschiebung nach Italien Kirchenasyl.
Am vergangenen Freitag war die eritreische Frau festgenommen und in Abschiebehaft genommen worden. Teklai ist den Angaben nach vor dem Militärdienst aus ihrer Heimat Eritrea geflohen, über den Sudan, Libyen und Italien kam sie nach Deutschland. Sie hatte - bis man ihr 2024 die Arbeitserlaubnis entzogen hatte - trotz der psychischen und physischen Folgen der Gewalterfahrung in Eritrea und auf der Flucht als Reinigungskraft gearbeitet und für sich selbst gesorgt. Ihre ehemaligen Arbeitgeber würden sie sofort wieder einstellen.
Das bayerische Innenministerium verwies auf epd-Anfrage darauf, dass die Ausländerbehörden im Freistaat die Entscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und die mögliche Überprüfung dieser durch die Verwaltungsgerichte umsetzen müssen. Das Ministerium teilte mit, Teklai sei zudem rechtskräftig wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Einer Aufforderung zur freiwilligen Ausreise sei sie nicht gefolgt, das Ausreisegewahrsam die Konsequenz daraus. Ein Abschiebeverbot nach Eritrea bestehe momentan nicht.
Eine Sprecherin des Bamberger Dekanats sagte, der Fall zeige, "dass Straffälligkeit nicht gleich Straffälligkeit" sei und man genauer hinsehen müsse. Die Frau sei schwer traumatisiert aus einer Militärdiktatur geflohen und sei in der Enge der Gemeinschaftsunterkunft ihrer Tochter gegenüber gewalttätig geworden. Im Einvernehmen mit dem Jugendamt sei die Tochter damals in einer Wohngruppe untergebracht worden. Inzwischen sei das Mutter-Tochter-Verhältnis wieder viel besser, man dürfe die beiden Frauen nicht auseinanderreißen.