Regensburg (epd). In der Welterbestadt Regensburg sorgt eine öffentliche Toilettenanlage für Diskussionen. Vor allem bei kühlem und nassem Wetter wird die überdachte Serviceeinrichtung samt Sitzbank von Obdachlosen als Schlafplatz genutzt. Die Stadt unterhält mehrere Obdachlosenunterkünfte und entschied kurzerhand, die Bank abzumontieren. Es sei zu einem massiven Müllproblem gekommen, begründete sie ihre Entscheidung. Die Stadtratsfraktion der Grünen wandte sich am Freitag mit einem Schreiben an die Stadtspitze und forderte, "Architektur für und nicht gegen die Menschen" einzusetzen.
Das Entfernen der Sitzbank zeigte nun allerdings nicht die gewünschte Wirkung: Anstelle der Bank stellten Unbekannte Paletten als Übernachtungsmöglichkeit auf und formulierten dazu eine Protestnote: "Nicht das Mindeste! 900.000 für Yuppieklos." Die Toilettenanlage auf dem Schwanenplatz, die behindertengerecht erbaut wurde, kostete in der Tat 900.000 Euro. Die hohen Kosten hatte unter anderem der Bund der Steuerzahler moniert und sie in sein Schwarzbuch aufgenommen.
Eine mit speziellen Vorrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen ausgestattete Toilette "empfinde ich nicht als Luxusklo, wie es häufig genannt wird, sondern als eine notwendige Teilhabevoraussetzung", sagte Wiebke Richter von den Grünen in Regensburg. Menschen, die keinen sicheren Rückzugsort hätten und für die eine Sitzbank die einzige Möglichkeit ist, einmal zu ruhen und zu schlafen - "auch für diese Menschen muss Platz in unserer Stadt sein", sagte Richter weiter. Die Stadt kündigte unterdessen an, die unerlaubt im öffentlichen Raum abgestellten Paletten zu entfernen.