Regensburg (epd). Mit Fassungslosigkeit hat die evangelische Neupfarrkirchengemeinde auf eine Schuhplattler-Aufführung auf dem Dani-Karavan-Denkmal in Regensburg reagiert. Eine Trachtengruppe hatte den bayerischen Traditionstanz auf dem Denkmal ausgeübt. Darin drücke sich eine Respektlosigkeit gegenüber der jüdischen Gemeinde und eine Geschichtsvergessenheit im Umgang mit der Regensburger Judenvertreibung im Jahr 1519 aus, teilte eine Sprecherin des Kirchenvorstands am Dienstag mit.

Schließlich sei die Zerstörung der Synagoge Anlass für die Stadtgesellschaft gewesen, mit einem Denkmal des israelischen Künstlers Dani Karavan an diese dunkle Stunde in der Geschichte der Stadt zu erinnern. Mit Erschrecken habe die Gemeinde zudem registriert, "dass diese geschmacklose Veranstaltung bei den anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauern offensichtlich mit Applaus bedacht wurde und niemand gegen diese Entgleisung protestierte", hieß es weiter. Die Neupfarrkirchengemeinde stehe an der Seite der jüdischen Gemeinde und teile deren Entsetzen.

Auf dem Neupfarrplatz in Regensburg zeichnete der Künstler und Bildhauer Dani Karavan den Grundriss der Synagoge in Form eines begehbaren Bodenreliefs nach. Die Synagoge war beim Regensburger Pogrom von 1519 zerstört worden. Das als Begegnungsstätte gedachte Kunstwerk mit dem Namen Misrach (hebräisch für "Osten") wurde im Jahr 2005 eingeweiht.