München (epd). Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen fühlt sich einer Studie zufolge von der Pflege und von zusätzlichen Schwierigkeiten belastet oder leidet an körperlichen Beschwerden. Für die Untersuchung des Sozialverbands VdK seien 14.000 Menschen in Bayern befragt worden, teilte der VdK am Mittwoch mit. Etwa 60 Prozent hätten angegeben, dass sie ihre eigene Gesundheit wegen der Pflegesituation vernachlässigten.
"Das Dilemma für pflegende Angehörige ist, dass sie nicht einfach aus der Pflege aussteigen können. Sie opfern sich buchstäblich auf, um ihre Liebsten zu versorgen", sagte die VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele, "doch diese Ressource ist nicht unendlich". Rund 58 Prozent der befragten Pflegenden in Bayern pflegen Angehörige bereits seit mehr als drei Jahren, 7 Prozent schon seit mehr als 20 Jahren. Über 936.000 Menschen in Bayern pflegten ihre Angehörigen, so der Verband.
84 Prozent der Befragten in Bayern können den Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro nicht nutzen, teilte der VdK. Die Hürden, den Entlastungsbetrag abzurufen, seien in Bayern im Ländervergleich besonders hoch. Wer etwa in der Nachbarschaft hauswirtschaftliche Leistungen wie Putzen, Wäsche bügeln oder Einkaufen anbieten und abrechnen wolle, müsste Kurse besuchen und andere Nachweise erbringen, erklärte eine Sprecherin des VdK auf epd-Nachfrage. So bleibe das Geld oft bei der Pflegeversicherung liegen.
Der VdK Bayern fordert daher weniger Bürokratie, mehr Angebote und eine bessere Beratung vor Ort. Noch immer fehlten in vielen Landkreisen Pflegestützpunkte. Außerdem müssten Tages- und Kurzzeitpflegeplätze von der Staatsregierung und den Kommunen stärker mitfinanziert werden.
Zur Landtagswahl plant der VdK am Freitag, 21. Juli, eine Veranstaltung "Nächstenpflege verbessern!", um seine landespolitischen Forderungen vorzustellen. Sie findet ab 12.30 Uhr in der Nürnberger Meistersingerhalle statt.