München (epd). Die SPD-Landtagsfraktion fordert von der Staatsregierung Konsequenzen wegen des an Bayerns Schulen weitverbreiteten Judenhasses. Eine Ende Februar 2026 vorgestellte qualitative Studie der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS) hatte ergeben, dass kaum ein jüdischer Jugendlicher keine antisemitischen Erfahrungen in Schule und Freizeit macht. Die SPD fordert daher vom Kultusministerium eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte, Schulleitungen und die Schulaufsicht.

Oftmals fehle an den Schulen das Wissen, "Antisemitismus rechtzeitig zu erkennen und auf geeignete Weise dagegen vorzugehen", sagte die SPD-Bildungspolitikerin Nicole Bäumler. Sonntagsreden würden den jüdischen Schülerinnen und Schülern nicht helfen, sie hätten "das Recht, sicher und ohne Angst zu leben". Dieses Recht einzulösen, sei nicht nur eine bildungspolitische, "sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", erläuterte sie. Deshalb habe die SPD-Landtagsfraktion nun einen Dringlichkeitsantrag dazu eingebracht.

Fortbildungen und Unterrichtsmaterial

Neben einer landesweiten Fortbildungsoffensive, die zum Erkennen und angemessenen Reagieren von antisemitischen Zwischenfällen befähigen soll, fordert die SPD, dass "gemeinsam mit RIAS Bayern und den jüdischen Gemeinden" altersgerechtes und praxistaugliches Unterrichtsmaterial zur Antisemitismusprävention entwickelt und allen Schulen zur Verfügung gestellt wird. Außerdem soll ein zusätzliches niedrigschwelliges Beratungs- und Meldeangebot für betroffene Schülerinnen und Schüler aufgebaut werden.

Laut der RIAS-Studie war Antisemitismus in Schule und Freizeit für jüdische Kinder und Jugendliche bereits vor dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 alltäglich gewesen. Seither allerdings zeige sich dieser Antisemitismus "enthemmter, Israel-lastiger", und sei salonfähiger geworden. Antisemitismus an Schulen sei "kein Randphänomen", sondern ein strukturelles Problem. Die Meldebereitschaft solcher Vorfälle an Schulen und in Sportvereinen sei gering - aus Angst, die eigene Einrichtung in Verruf zu bringen.