Augsburg (epd). Anlässlich der 375. Jubiläumsausgabe des Augsburger Hohen Friedensfestes (8. August) zeigt die Staats- und Stadtbibliothek eine besondere Ausstellung: eine Auswahl jahrhundertealter Friedensgemälde im Faksimile. Die Bibliothek besitzt insgesamt 138 Friedensgemälde aus den Jahren 1651 bis 1789 im Original. Alle Friedensgemälde in Form von Kupferstichen können auch digital angesehen werden, wie es auf der Homepage heißt. Die Ausstellung ist bis 14. August zu sehen.
Dargestellt sind laut Bibliotheksangaben Szenen aus der Bibel, Motive aus der Reformationsgeschichte oder reichspolitische Ereignisse. Das Gemälde von 1656 stelle zum Beispiel die Übergabe der Augsburger Konfession (Confessio Augustana) dar, wovon es keine zeitgenössische Darstellung gebe. Es zeigt die Verlesung des Augsburger Bekenntnisses durch den sächsischen Kanzler Christian Beyer vor Kaiser Karl V. und den Mitgliedern des Reichstags im Kapitelsaal der bischöflichen Pfalz in Augsburg.
Das Augsburger Hohe Friedensfest wurde 1650 das erste Mal begangen, 1651 wurde das erste Friedensgemälde geschaffen. Die Tradition der Friedensgemälde wurde bis 1789 fortgeführt, seit 1977 findet sie wieder jährlich statt - in Form eines Malwettbewerbs für Schulkinder aller Konfessionen und Religionen. Veranstalter ist das evangelisch-lutherische Dekanat Augsburg, bei der Auswahl der Preisträger-Bilder sind unter anderem auch Vertreter der katholischen Kirche sowie der Stadt beteiligt.
Das Friedensfest wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August gefeiert und ist in Augsburg ein eigener gesetzlicher Feiertag. Am 8. August 1629 wurde den Protestanten in Augsburg die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Erst im Westfälischen Frieden 1648, der das Ende des Dreißigjährigen Krieges markierte, erlangten sie die Gleichstellung mit der katholischen Kirche, die bereits 1555 im Augsburger Religionsfrieden formuliert worden war. Seit 2018 ist das Friedensfest immaterielles Unesco-Kulturerbe.