München (epd). Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) zu den CO₂-Emissionen von Fahrzeugen sorgt für einen ungewöhnlich offenen Streit unter Professoren. Hauptautor Johannes Fottner widerspricht der Darstellung von Ministerpräsident Markus Söder, die Untersuchung liefere ein Argument gegen das geplante Verbrenner-Aus. Ein Kollege wirft der TUM zugleich eine zugespitzte Kommunikation der Ergebnisse vor.
Die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zitierte Forderung nach einem Ende des Verbrenner-Aus stehe so nicht in der Untersuchung, sagte Fottner am Freitag dem "Münchner Merkur" (Freitag). Ziel der Arbeit sei vielmehr eine ganzheitliche Betrachtung der Fahrzeugemissionen über den gesamten Lebenszyklus.
Söder hatte das Papier zuvor als Argument gegen das geplante europäische Verbrenner-Aus im Jahr 2035 angeführt. Tatsächlich steht in der Studie, dass Elektroautos den CO2-Ausstoß im Vergleich zu Verbrennern durchschnittlich um 41 Prozent reduzieren. Damit sind sie aber nicht klimaneutral. Die Autoren kritisieren daher die EU-Kommission, mit falschen Annahmen bei ihrer Klimastrategie zu arbeiten.
TUM-Professor befürchtet Rufschädigung
Der Fahrzeugtechnik-Professor Markus Lienkamp kritisierte indes die Arbeit seines Kollegen im "Münchner Merkur": Er warf der Universität vor, die Ergebnisse in der Kommunikation zugespitzt dargestellt zu haben. Zudem habe TUM-Präsident Thomas F. Hofmann die Studie in Auftrag gegeben, weil er anderen Professoren eine vorurteilsfreie Untersuchung offensichtlich nicht zugetraut habe, bemängelte Lienkamp.
Er müsse seinen Ruf schützen und sich dagegen wehren, in Sippenhaft genommen zu werden, erklärte der Fahrzeugtechnik-Experte. Lienkamp sprach sich dafür aus, die europäischen Vorgaben zum Verbrenner-Aus beizubehalten. Zugleich forderte er kleinere und emissionsärmere Elektroautos. Trotz der inhaltlichen Differenzen betonten beide Wissenschaftler, dass ihr persönliches Verhältnis intakt sei.