Berlin, München (epd). Von der Länge des Schulwegs über das Freizeitangebot bis hin zur Busanbindung: Die Voraussetzungen für Kinder und Jugendliche, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, unterscheiden sich innerhalb Deutschlands einer Studie zufolge enorm. "Chancengleichheit? Fehlanzeige!", heißt es in der Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Wüstenrot Stiftung. Die am Montag veröffentlichte Erhebung gibt auch eine Reihe von Empfehlungen, um die Lage zu verbessern.

Für die Studie analysierte das Forschungsteam Daten unter anderem zu Kinderarmut, dem Angebot an Ausbildungsplätzen, der Erreichbarkeit von Schulen und der Breitbandversorgung. Anhand dieser Daten wurden alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland miteinander verglichen. Zusätzlich führte das Forschungsteam in bestimmten, als exemplarisch ausgewählten Gegenden Interviews mit Kindern und Jugendlichen sowie Fachkräften aus der Kinder- und Jugendarbeit.

Die Unterschiede zwischen den Regionen seien "teils gravierend", heißt es in der Studie. Beispielsweise verließen im Kreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt rund 15 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Schulabschluss. In München liege die Quote bei nur drei Prozent. "Noch größer sind die Unterschiede bei der Kinderarmut", heißt es weiter. Während in Bayern nur 6,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen davon betroffen sind, liegt der Anteil in den Stadtstaaten deutlich höher. Spitzenreiter ist Bremen mit einem Anteil von 28,6 Prozent im ersten Quartal 2024. Insgesamt sind die wirtschaftlichen Teilhabevoraussetzungen von Kindern und Jugendlichen (wenig Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit, ein großes Angebot bei den Ausbildungsplätzen) in Bayern und Baden-Württemberg besonders gut.

In der Spitzengruppe der insgesamt teilhabefreundlichsten städtischen Regionen finden sich alle kreisfreien Städte und städtisch geprägten Kreise in Bayern, mit Ausnahme von Hof. Die ländlichen Regionen mit den besten Teilhabemöglichkeiten liegen ebenfalls vorwiegend im Süden Deutschlands und finden sich vor allem in Baden-Württemberg und im Südwesten Bayerns.

Die Autorinnen und Autoren der Studie raten unter anderem dazu, jungen Menschen mehr Mitspracherechte zu geben. Zu den weiteren Empfehlungen in der Studie gehören außerdem gezielte Investitionen in Bildungseinrichtungen in benachteiligten Regionen. Um den Interessen junger Menschen mehr Gewicht zu verleihen, sollten zudem die UN-Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden.