Nürnberg (epd). Über 150 Studierende aus aller Welt kommen vom 23. bis 26. Juli im Schwurgerichtssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes zusammen. Beim "Nuremberg Moot Court" verhandeln sie einen fiktiven, aber realistischen Fall des Völkerstrafrechts, indem sie den Internationalen Strafgerichtshof simulieren, teilte die Akademie Nürnberger Prinzipien am Freitag mit. Sie veranstaltet den Gerichtswettbewerb zusammen mit der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Fall: Anstiftung zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch einen Staatspräsidenten.

Dass auch Staatsoberhäupter wegen solcher Verbrechen vor Gericht stehen können, zeigten bestehende Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs, hieß es. Diese gibt es aktuell unter anderem gegen mehrere Taliban-Anführer, den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Die Verhandlung eines fiktiven Falls in Nürnberg soll ein Training für Studierende der Rechtswissenschaften sein, aber auch an die historische Geburtsstätte des Völkerstrafrechts erinnern. Im Saal 600 hatten die Nürnberger Prozesse gegen führende Nationalsozialisten nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen. Bei dem Wettbewerb treten studentische Teams aus Deutschland, Ägypten, Brasilien, Ghana, China und vielen weiteren Ländern an. In den Jurys sitzen laut Mitteilung auch Richterinnen und Richter des Internationalen Strafgerichtshofs. Die Finalrunde am 26. Juli ist öffentlich.