München, Wiesbaden (epd). Der Unterschied zwischen der Lebenserwartung von Männern und Frauen ist in Süddeutschland, Dänemark und der Schweiz besonders gering. Forschende am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) haben festgestellt, dass Männer in der Nordschweiz durchschnittlich nur noch 3,3 Jahre früher sterben als Frauen. In der Region um München beträgt der Unterschied noch 3,5 Jahre. In Teilen von Ostdeutschland, Tschechien, der Slowakei und Frankreich sind dagegen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen mit 6 und mehr Jahren etwa doppelt so groß, heißt es in einer Mitteilung des BIB vom Mittwoch.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts würden sich die Lebenserwartungen der Geschlechter langsam angleichen, hieß es. Gründe seien unter anderem Herzschrittmacher, die die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzierten. Männern würden inzwischen weniger an den Folgen des Rauchens sterben, während diese Ursache bei Frauen zunehme. Durch eine steigende Erwerbstätigkeit von Frauen würden auch die Unterschiede bei Gesundheitsrisiken durch die Arbeit abnehmen.
Männer in Großstädten haben einen geringeren Abstand zur Lebenserwartung der Frauen, brachte die Untersuchung hervor. "Florierende Großstädte ziehen durch ihre guten Jobmöglichkeiten eher gesunde und qualifizierte Bevölkerungsgruppen an, während strukturschwache Regionen weniger attraktiv für diese Menschen sind", erklärte Mortalitätsforscher Markus Sauerberg vom BiB.
Ergebnisse von Studien zeigten, dass der größere Teil der Lebenserwartung nicht von der Biologie, sondern vom Lebensstil abhängig ist und davon, wie die Menschen Krankheiten vorbeugten, so die Forscher. Wenn sich Rollenbilder annähern würden, glichen sich auch die Sterblichkeitsunterschiede zwischen Männern und Frauen an.
Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt gibt an, wie viele Jahre ein Mensch nach den altersspezifischen Sterblichkeitsraten leben würde. Laut dem Bundesamt für Statistik betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland im Jahr 2022 bei Jungen 78,2, bei Mädchen 82,9 Jahre.