Nürnberg (epd). Der Verein SV Zukunft plädiert für individuelle Konzepte, um Kinder und Jugendliche bei der Berufsorientierung zu unterstützen. "Wir haben 80 Prozent junge Menschen, für die funktioniert Schule, funktioniert das System. Aber da bleiben 20 Prozent übrig, die über das System nicht so einfach in eine Orientierung reinkommen", sagte Gründerin Birgit Mooser-Niefanger beim Jahresgespräch des Vereins am Mittwoch in Nürnberg. Dazu gehörten Kinder mit Lernschwierigkeiten genauso wie Kinder mit Behinderung.
Mooser-Niefanger plädierte dafür, auch Fähigkeiten außerhalb von Schulnoten in den Blick zu nehmen: "Jedes Kind kann irgendetwas gut, aber wir schauen immer darauf, was es nicht kann", sagte sie. Dies versuche der Verein über Sport und sportliche Vorbilder zu erreichen. Bei Kindern, denen die Unterstützung im Elternhaus fehle, müsse die Gesellschaft einspringen, forderte Mooser-Niefanger. Christian Schenk, 1988 Olympiasieger im Zehnkampf, ist eines der Vorbilder, die in Schulklassen gehen und Jugendliche unterstützen. Er habe das Glück gehabt, von Eltern und Schule gefördert zu werden, sagte er. "Im Hochleistungssport habe ich gelernt, mich zu fragen: Wie werde ich gut?"
Cornelia Trinkl, Schulreferentin der Stadt Nürnberg, sieht die Aufgabe der Schulen darin, Struktur in die vorhandene Informationsfülle zu bringen und den jungen Menschen zu helfen, herauszufinden, was zu ihnen passe. Es brauche Vorbilder und ein Ziel, auf das junge Menschen hinarbeiten könnten. Für Andreas Schwibach vom Amt für Berufliche Schulen in Nürnberg ist eine große Barriere für den Berufseinstieg, dass Schülerinnen und Schülern nicht wüssten, was sie im Berufsleben erwarte.
Mit Blick auf junge Menschen mit Beeinträchtigungen stelle er aber auch fest, dass das Wissen bei Betrieben fehle, was es brauche, um diese beispielsweise als Auszubildende einzustellen. Mooser-Niefanger schlug als Lösung vor, etwa Arbeitgeber, die bereit seien, jemanden mit Beeinträchtigung oder schlechtem Zeugnis einzustellen, gezielt anzuwerben, finanzielle Anreize zu schaffen und diese zu unterstützen.
Der SV Zukunft bietet nach eigenen Angaben seit mehr als 15 Jahren Trainingsprogramme für Jugendliche im Übergang zwischen Schule und Beruf an. Die Grundidee des SV Zukunft sei die Vermittlung von Werten und Schlüsselqualifikationen, aber auch die Verbesserung der Selbsteinschätzung und des Selbstbewusstseins über die Metapher Profisport. In dem Verein engagieren sich prominente Sportlerinnen und Sportler sowie erfahrene Managementtrainer für Jugendliche mit schwieriger Perspektivlage.