Nürnberg (epd). In einem zweijährigen Forschungsprojekt untersucht ein Forschungsteam der Technischen Hochschule Nürnberg "Georg Simon Ohm" (Ohm) die Bedarfe wohnungsloser Menschen. Das Projekt orientiert sich dabei am Housing-First-Ansatz, teilte die Hochschule am Dienstag mit. Diese Form der Wohnungslosenhilfe setze unmittelbar am dringendsten Bedarf von wohnungslosen Menschen an: an der Bereitstellung einer eigenen Wohnung. Damit stehe sie mit anderen Praktiken der Wohnungslosenhilfe in Kontrast, die sich auf die Unterbringung von Betroffenen in Notschlafstellen, Wohnheimen oder Pensionen konzentrierten.

Housing First ist laut Mitteilung in vielen Städten und Ländern bereits erfolgreich erprobt, doch die sozialwissenschaftliche Forschung in Deutschland stehe noch ganz am Anfang. Deshalb habe Frank Sowa von der Ohm-Fakultät für Sozialwissenschaften zusammen mit der Soziologin Anna Xymena Tissot das Forschungsprojekt "Wohnraumakquise und Housing First in Nordbayern" ins Leben gerufen. Es setze sich unter anderem damit auseinander, wie Wohnraum für die stigmatisierte Gruppe wohnungsloser Menschen akquiriert werden könne, wie die Lebenssituation dieser Menschen aussehe und wie sich die Unterstützung durch Sozialarbeit im Kontext von Housing First verändere.

Das Ziel des Projekts bestehe darin, ein tief gehendes Verständnis über die relevanten Prozesse und Akteure bei der Umsetzung verschiedener Housing-First-Modellprojekte in Nordbayern zu erlangen. Auf dieser Grundlage möchten die Forschenden nach eigenen Angaben Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis entwickeln. Das Projekt wird vom Bayerischen Sozialministerium und der Regierung von Mittelfranken gefördert.