München (epd). Bayern ist geprägt von seinen Kirchen: Rund 11.959 Sakralgebäude gibt es aktuell in Bayern. Die evangelische Landeskirche zählt exakt 1.784 Gotteshäuser, davon stehen 1.317 unter Denkmalschutz. Die sieben katholischen Bistümer kommen zusammen auf mindestens 10.175 Kirchen und Kapellen, davon sind über 6.500 geschützt, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergeben hat. Doch die Kosten für den Erhalt dieser Gebäude sind hoch. Prognosen zufolge wird es deshalb in 20 Jahren aufgrund von Mitgliederrückgang und sinkenden Einnahmen deutlich weniger sakral genutzte Kirchen in Bayern geben.
Um diese Entwicklung zu steuern, laufen in allen Kirchenverwaltungen aufwändige Immobilienprozesse. Bis Ende 2026 müssen beispielsweise die rund 1.500 evangelischen Gemeinden im Freistaat ihre "Gebäudebedarfsplanung" abschließen, bei der sämtliche Immobilien in die Kategorien A, B und C sortiert werden. Die etwa 50 Prozent A-Gebäude können bei Baumaßnahmen auch künftig landeskirchliche Zuschüsse beantragen, allerdings nur noch in Höhe von 25 statt bislang häufig 30 Prozent.
"Bei Finanzierungsmöglichkeiten kreativ bleiben"
Für C-Gebäude hingegen, die keine landeskirchliche Förderung mehr erhalten und als Gemeindestandorte aufgegeben werden, sollen schnellstmöglich neue Träger mit anderen Nutzungskonzepten gefunden werden. Das Ziel sei explizit nicht, die Hälfte der Kirchengebäude aufzugeben, betonte der zuständige Oberkirchenrat Florian Baier kürzlich bei einer Fachtagung zu dem Thema. Dafür müsse man aber angesichts der sinkenden Mittel bei Finanzierungsmöglichkeiten kreativ werden.
Im Bistum Würzburg ist man schon einen Schritt weiter. Dort ist die Gebäudebedarfsplanung für die rund 3.000 Immobilien, darunter 1.170 Kirchen und Kapellen, bereits abgeschlossen. Doch das Konzept habe seine Grenzen: Für eine Kirche der Kategorie C nehme keine Gemeinde mehr Geld in die Hand, stellte Diözesanbaumeisterin Katja Mark-Engert am Rande einer Tagung fest. Wolle man auch diese Gotteshäuser erhalten, müsse das Bistum Mittel für Machbarkeitsstudien bereitstellen, damit gute alternative Nutzungskonzepte passend zum jeweiligen Sozialraum gefunden werden könnten.
Bislang 71 Kirchen umgenutzt oder aufgegeben
Schon in den vergangenen Jahren wurden Gotteshäuser aufgegeben oder umgenutzt: Die Landeskirche beziffert die Zahl auf 30 Kirchen seit 2015. In den katholischen Bistümern waren es den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren insgesamt 41 Kirchen.