München, Fürth (epd). Nach einem Rückgang auf ein historisches Tief im Jahr 2021 sind 2022 wieder mehr Menschen auf Bayerns Straßen gestorben. Während 2021 443 Menschen bei Verkehrsunfällen im Freistaat ums Leben kamen, waren es im vergangenen Jahr 519, teilte das Bayerische Landesamt für Statistik am Montag in Fürth mit.
Durch die Aufhebung der Corona-Einschränkungen waren 2022 auf Bayerns Straßen wieder deutlich mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs, hieß es in der vorläufigen Bilanz der bayerischen Verkehrsunfallstatistik 2022. Außerdem erhöhte sich den Angaben zufolge die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge um etwa 120.000 auf rund 10,6 Millionen.
Im Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, lag die Zahl der Verkehrstoten in Bayern mit 541 allerdings noch etwas höher. Wenn man von den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 absehe, seien die Zahlen von 2022 "der niedrigste Stand bei der Zahl der Verkehrstoten in Bayern seit Beginn der Unfallaufzeichnungen vor mehr als 65 Jahren", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU).
Die große Zahl der Radunfälle sieht Herrmann jedoch mit Sorge. 2022 gab es 19.646 Radunfälle bei denen insgesamt 84 Radfahrer getötet wurden. Das sei die höchste Zahl an getöteten Radfahrern seit 2009, wo 97 Menschen bei Radunfällen starben. Um das Radfahren sicherer zu machen, müssten Autofahrer und Radfahrer aufeinander Rücksicht nehmen und sich an die Verkehrsregeln halten, sagte der Innenminister. Außerdem unterstütze er gemeinsam mit dem Verkehrsministerium den engen Austausch zwischen dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), Polizei und Kommunen zur Entschärfung möglicher Gefahrenstellen und zur Ausgestaltung von Radwegen.
Das Bündnis "Radentscheid Bayern" kritisierte anlässlich der Unfallstatistik die schlechten Rahmenbedingungen fürs Radfahren in Bayern: Das Radwegenetz werde nicht ausreichend instand gehalten und ausgebaut, sagte Bernadette Felsch, Beauftragte des Volksbegehrens "Radentscheid Bayern". Außerdem nehme der Autoverkehr immer mehr zu und die Fahrzeuge würden immer größer und schwerer. An Sicherheitstechnik wie Abbiegeassistenten und sicheren Ampelschaltungen werde gespart und das Parken auf Radwegen und zu enges Überholen kaum geahndet.
Rund zwei Drittel der Radunfälle (68,4 Prozent) haben Radfahrer laut Statistik selbst verursacht. Die meisten dieser "Alleinunfälle" seien laut Felsch auf Mängel in der Infrastruktur wie Hindernisse, zu hohe Bordsteinkanten, Schlaglöcher, Verschmutzungen oder mangelnde Räumung zurückzuführen.
Ziel des Bündnisses "Radentscheid Bayern" ist ein Radgesetz für Bayern, das die Staatsregierung verpflichtet, die Kommunen zu unterstützen umweltfreundliche Mobilität rasch zu ermöglichen und zu verbessern.