Nürnberg (epd). Deutschland ist 2024 in der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" (RSF) von Platz 21 auf Platz 10 geklettert. Das liege aber nicht daran, dass die Situation in Deutschland besser geworden sei, sagte Beatrice Dernbach, Journalistin und Professorin für Praktischen Journalismus an der Technischen Hochschule Nürnberg, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Sondern es liegt daran, dass es in vielen Ländern noch schlechter geworden ist. Da gibt es keinen Grund zum Jubeln." Im Gegenteil, laut RSF-Bericht haben sich 2024 Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. 75 der insgesamt 89 Angriffe umfassten demnach körperliche Gewalttaten.
Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai hält Dernbach um 11 Uhr einen Vortrag im Presseclub Nürnberg. "Wir müssen uns alle darum kümmern, dass unser Mediensystem wieder eine höhere Wertschätzung bekommt", sagte sie. Dazu gehöre auch, junge Menschen für den Beruf zu interessieren. In den Journalismus- und Medienstudiengängen gingen die Bewerberzahlen immer weiter zurück. Bei ihrem Vortrag werde sie auch einen Blick in andere Länder werfen. "Ich möchte aber kein allzu dystopisches Bild zeichnen", so die Journalistin. So sei Polen nach dem Regierungswechsel auf einem guten Weg und auch in Frankreich sei die Entwicklung der Pressefreiheit positiv.
Die USA, die in der RSF-Rangliste 2024 um 10 Plätze nach unten auf Platz 55 von 180 gerutscht sind, betrachtet Dernbach nicht nur aktuell als Sorgenkind: "Die USA waren noch nie sehr gut platziert." Als Beispiele nennt sie die Behinderung von Berichterstattung durch die Polizei oder die scharfe Verfolgung von Whistleblowern in den vergangenen 15 Jahren. Unter der aktuellen Trump-Regierung hatte man versucht, die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) von Veranstaltungen wie Pressekonferenzen im Weißen Haus auszuschließen. Diese Entscheidung wurde von einem Gericht gekippt.
Aus Sicht von Dernbach sollten Medien trotzdem nicht die Bedeutung von offiziellen Stellen und Verlautbarungen für die Recherche überhöhen. "Das muss auch in der Ausbildung trainiert werden, dass es immer mindestens zwei Quellen geben muss." Sie wünsche sich von Medien, weniger offizielle Aussagen wiederzugeben, sondern diese einzuordnen. "Zu einer Trump-Pressekonferenz würde ich als Journalistin gar nicht mehr hingehen, die langweilt doch nur", sagte Dernbach. Viel spannender seien Stimmen der Opposition oder aus der Wissenschaft, die sich aktuell gegen die übergriffige Trump-Politik wehrten.
Dies gelte auch für Deutschland, so Dernbach, wo in den Medien immer wieder der Fokus auf aggressive Aussagen der AfD gelenkt werde. "Noch haben wir eine quantitative Mehrheit, die die AfD nicht wählt. Aber diese ist viel weniger sichtbar und hörbar." Diesen Stimmen sollten Medien der Professorin zufolge eine größere Plattform geben.