"Im Moment waren wir lange mit dem Dach beschäftigt und hoffen, dass wir bald damit fertig sind", erklärt der Bad Rodacher Pfarrer Christian Rosenzweig. Dabei ging es nicht nur um das Abdecken und Neuauflegen der Ziegel, sondern um die tragende Substanz des gesamten Gebäudes.

Besonders heikel war der Zustand der Holzbalken. "Manche dicken Balken waren nicht mehr als ein Strohhalm gewesen", erinnert sich der Pfarrer. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass frühere Sanierungen in den 1970er-Jahren eher geschadet hatten. Feuchtigkeit war in die tragende Konstruktion eingedrungen, Pilzbefall machte sich breit. "Von daher musste man jetzt wirklich puzzlestückartig die gesamten Balken untersuchen und an nicht wenigen Stellen austauschen."

Auch der Turm, ein markantes Detail der Friedhofskirche, erwies sich als deutlich wackliger als gedacht. "Man hat festgestellt, dass das eigentlich in sich völlig instabil ist. Sodass jetzt auch der Turm wesentlich umfassender überarbeitet werden muss, als wir es ursprünglich gedacht haben."

So teuer und langwierig wird der Umbau

Rosenzweig ist trotz aller Probleme zufrieden: "Die Kommunikation mit der Bauleitung und Unterstützung der Kirchengemeinde ist alles, möchte ich sagen, hervorragend gelaufen."

Doch ein Projekt dieser Größenordnung bleibt für eine kleine Gemeinde wie Bad Rodach eine finanzielle Herausforderung. Über zwei Millionen wird es letztendlich kosten, bis das Projekt fertiggestellt ist. "Das ist im Vergleich zu anderen Projekten in dieser Größenordnung eher noch gering. Aber es muss geschultert werden von allen Beteiligten."

Die Gemeinde und die Landeskirche tragen die Mehrkosten gemeinsam. Noch sind nicht alle Unwägbarkeiten berücksichtigt. "Da sind jetzt manche Wundertüten noch nicht mit eingerechnet, die vielleicht noch kommen."

Risiken und Überraschungen beim Umbau

Als nächster großer Schritt steht die Öffnung des Bodens an. Dort könnten weitere Überraschungen warten. "Im schlimmsten Fall kann es sein, dass wir tatsächlich irgendwelche alten Gräber finden hier, weil es ja ein Bodendenkmal ist", sagt Rosenzweig. In diesem Fall müsste die Baustelle stillstehen, bis die Funde dokumentiert und gesichert sind.

Trotzdem zeigt sich der Pfarrer optimistisch: "Die Schritte sind, glaube ich, planbarer, auch wenn viele Gewerke neu angelegt werden müssen. Die Kirche hat ja kein Wasser, keinen Strom, kein Internet."

Neues Gemeindezentrum in Bad Rodach

Das fertige Gebäude soll künftig vielseitig nutzbar sein. "Im Inneren soll das zentrale Pfarramt für acht Kirchengemeinden der Pfarrei entstehen", beschreibt Rosenzweig die Pläne. "Und in der zweiten Ebene ein großer, geräumiger und auch ästhetisch schöner Gemeindesaal, der dann auch barrierefrei sein wird mit Treppenlift."

Damit erhält die Stadt nicht nur ein neues Verwaltungszentrum, sondern auch einen Ort für Begegnung, Kultur und Gemeindeleben. Ideen reichen bis hin zu einem Bürgerpark rund um die Anlage.

"Geplant ist, dass die Baustelle August, September 2026 fertig sein soll und dann zeitnah im Oktober vielleicht die Einweihung. So sieht es der Plan vor."

Ende einer Ära: Abschied nach elf Jahren

Für Christian Rosenzweig selbst bedeutet die Baustelle auch ein Stück Abschied. Nach über elf Jahren als Pfarrer in Bad Rodach wechselt er Oktober 2025 nach Lichtenfels. Die Einweihung 2026 wird er also nicht mehr als amtierender Bad Rodacher Pfarrer erleben. "Ich hätte es gerne noch fertig gemacht. Hätte auch geklappt. Ursprünglich sollte die Baustelle früher abgeschlossen sein, aber der Fertigstellungszeitpunkt hat sich immer weiter nach hinten verlagert."

Ganz loslassen möchte er trotzdem nicht. "Ich hoffe, dass die Gemeinde sich noch an mich erinnert und dann im Oktober 26 einlädt, vielleicht auch ein Grußwort zu sprechen oder zumindest mit dabei zu sein. Das wäre mir ein Herzensanliegen."