Es war ein feierlicher Moment, am 4. Juli 2025 in der Bayreuther Erlöserkirche. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes erhielten 23 angehende Religionslehrerinnen und -lehrer ihre kirchliche Bevollmächtigung – die sogenannte vocatio – zur Erteilung des evangelischen Religionsunterrichts an bayerischen Schulen.
Kirchenrat Michael Thiedmann begrüßte die zukünftigen Lehrkräfte, ihre Familien, Freunde sowie Vertreterinnen und Vertreter der Seminarschulen und hob die besondere Bedeutung dieses Tages hervor. "Mit Ihrer Bevollmächtigung beginnt ein Dienst, der jungen Menschen Orientierung im Geiste des Evangeliums geben soll", betonte Thiedmann.
Goldstücke für die Bildung
Regionalbischöfin Berthild Sachs wählte in ihrer Predigt das biblische Gleichnis vom verlorenen Groschen als Bild für die Berufung der neuen Lehrkräfte. Mit sichtbarer Freude sprach sie die Anwesenden direkt an: "Ja, das ist eine große Freude – man könnte sagen, über 23 weitere Goldstücke, die jungen Menschen im kirchlichen Auftrag Orientierung im Geiste des Evangeliums geben."
Sachs machte deutlich, dass dieses Gleichnis nicht nur das Suchen und Finden thematisiert, sondern zugleich etwas Wesentliches über Gott erzählt. "Es braucht Menschen wie Sie, die mit Leidenschaft jungen Menschen zur Seite stehen und sie auf ihrem Weg begleiten", sagte die Regionalbischöfin. "Nennen wir das ruhig Suchen und Finden. Darin begleitet Sie Gottes Segen."
Religionsunterricht als Schatz der Gesellschaft
In seiner Vokationsansprache unterstrich Kirchenrat Thiedmann die Bedeutung des Religionsunterrichts sowohl für die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler als auch für das gesellschaftliche Miteinander. "Mehr als 320.000 Kinder und Jugendliche besuchen in Bayern den evangelischen Religionsunterricht. Dort können sie in den Erfahrungen des Glaubens Halt und Orientierung finden", sagte Thiedmann.
Er betonte, wie wichtig es sei, dass Begriffe wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Toleranz und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft nicht zu Fremdwörtern werden. "Sie sind ein Schatz, den wir heben und bewahren müssen", so Thiedmann.
Feierliche Segnung
Im Anschluss an die Ansprache wurden die vocatio-Urkunden durch Pfarrerin Gudrun Wellhöfer übergeben. Mit einer Segnung durch Regionalbischöfin Sachs wurde den 20 Frauen und 3 Männern offiziell die Bevollmächtigung ausgesprochen, evangelischen Religionsunterricht an Grund-, Mittel-, Real- und Förderschulen zu erteilen.
Nach dem Gottesdienst feierte die Gemeinde gemeinsam das Abendmahl. Im Anschluss nutzten die Lehrkräfte, ihre Gäste und Vertreterinnen und Vertreter der Kirche die Gelegenheit, beim Empfang ins Gespräch zu kommen und den besonderen Tag in fröhlicher Runde ausklingen zu lassen.
Willkommen im Schuldienst
Als Vertreter der Regierung von Oberfranken sprach der Leitende Regierungsschuldirektor Alexander Wunsch ein Grußwort und machte deutlich, wie dringend die neuen Lehrkräfte gebraucht werden – nicht nur in Oberfranken, sondern auch über die Region hinaus. "Sie werden mit offenen Armen empfangen", betonte Wunsch.
Weitere Grußworte kamen von Religionspädagoge Harald Rautenstrauch, der für die Fachberatung an Grund- und Mittelschulen sprach, sowie von Pfarrerin Katharina Kemnitzer für den Gesamtverband für Evangelische Erziehung und Bildung.
Ein besonders emotionaler Moment war die Verabschiedung von Waltraud Hohlweg, die als Seminarlehrerin über viele Jahre angehende Lehrkräfte begleitet hatte und nun in den Ruhestand geht. Mit warmen Worten würdigten ihre Kolleginnen und Kollegen ihren Einsatz und ihr Engagement für die Ausbildung der neuen Generationen.
Mut zum Begleiten und Begeistern
Mit der kirchlichen Bevollmächtigung tragen die 23 neuen Lehrkräfte jetzt eine besondere Verantwortung. Sie sind nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Wegbegleiter, die jungen Menschen die Botschaft des Evangeliums nahebringen und sie ermutigen sollen, eigene Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu finden.
"Das ist eine Aufgabe, die Mut, Liebe und Begeisterung braucht – und genau diese Gaben tragen Sie in sich", sagte Thiedmann abschließend. Mit Segen und Zuspruch starteten die neuen Religionspädagoginnen und -pädagogen in ihren Dienst – als "Goldstücke" der Bildung, wie es die Regionalbischöfin so treffend formulierte.