Neues Dach, neuer Boden, neuer Altar: Vom Handwerker bis zum Herzog sind am letzten Septembersonntag (28.9.) in Großkarolinenfeld alle dabei, wenn die älteste evangelische Kirche Oberbayerns nach eineinhalbjähriger Sanierung wieder eingeweiht wird.
Sanierung der Karolinenkirche: 2,2 Millionen Euro für neuen Glanz
Rund 2,2 Millionen Euro hat das Projekt gekostet, eine imposante Summe für eine evangelische 1.000-Seelen-Landgemeinde mitten in der katholischen Diaspora. Doch auch dank der prominenten Schirmherren wie Herzog Franz von Bayern und Regionalbischöfin i.R. Susanne Breit-Keßler sind davon nur noch 78.000 Euro offen, berichtet Pfarrer Richard Graupner.
Dafür bekämen die Protestanten vor den Toren Rosenheims nicht nur einen würdevollen Sakralraum, sondern die ganze Kommune einen "Kulturraum", in dem zeitgenössische Kunst und Konzerte genauso ihren Platz finden sollen wie das weltliche Gemeindeleben - zum Beispiel zur Zeugnisübergabe für die Schulkinder von "Großkaro".
Historische Wurzeln: Königin Karoline und die evangelische Gemeinde
Dass der Wittelsbacher-Chef Franz von Bayern sich bereitwillig für die Sache der Karolinenkirche hat einspannen lassen, liegt nicht nur an seiner Vorliebe für zeitgenössische Kunst, die hier seit vielen Jahren bei Ausstellungen und Performances ihren Platz findet, sondern vor allem an der Namensgeberin des Gotteshauses. Die erste, noch dazu evangelische Königin von Bayern, Karoline von Baden (1776-1841), hatte die Pfälzer Siedler, die seit 1802 als Moorarbeiter nach Oberbayern gezogen waren, großzügig beim Bau einer eigenen evangelischen Kirche unterstützt. 1822 wurde das kleine, damals noch turmlose Kirchlein im klassizistischen Stil als erster protestantischer Sakralbau Oberbayerns eingeweiht - und mit royaler Genehmigung als Karolinenkirche benannt.
Als sich das 200. Jubiläum für das Jahr 2022 am Horizont abzeichnete, habe man zunächst nur den Wunsch gehabt, den angegrauten Innenraum, den welligen Fliesenboden und die Sakristei herzurichten, erinnert sich Richard Graupner, der seit 2016 Pfarrer in Großkaro ist. Doch als eine Dachstuhluntersuchung dann feuchte und lose Balken zutage förderte und der Kostenrahmen auf über eine Million schnellte, erwachte im Pfarrer und seiner Gemeinde ein trotziger Mut. "Wir hatten 2018 für die neuen Abendmahlsgeräte 30.000 Euro eingeworben - wir wussten, wir können das", erinnert sich Graupner.
Moderne Technik trifft Denkmalschutz: So erstrahlt die Kirche heute
Das Ergebnis ist eine rundumerneuerte Kirche: Glocken- und Dachstuhl, Elektrik, Ton- und Lichttechnik, Dielenboden, Bestuhlung, dazu eine Pelletsheizung, Isolierglas für die denkmalgeschützten Fenster und ein vergoldeter, langer Altartisch, der das Licht in der Kirche einfängt - und bei Platzbedarf einfach hochkant an der Kirchenwand verstaut werden kann. Ein Drittel der Gesamtkosten trägt die Landeskirche, dazu kamen 500.000 Euro vom Denkmalschutzfonds des Bundes und zahlreiche Groß- und Kleinspenden von Stiftungen, Mäzenen und umliegenden Kommunen.
Mut, Toleranz und Ökumene seien die roten Fäden in der Geschichte der Karolinenkirche, die seit einem Jahr mit Bad Aibling und Kolbermoor eine gemeinsame Pfarrei bildet, sagt Pfarrer Graupner:
"Wir sollten uns bewusst machen, was man hier schon vor 200 Jahren gewagt hat."
Begegnungs- und Kulturzentrum: Kunst, Konzerte und Events
Wenn es nach ihm geht, wird die neue Karolinenkirche ein Begegnungsort für alle Menschen zu allen Anlässen - einen eigenen Festsaal gibt es schließlich nicht in Großkaro. Zugleich habe das Kirchlein mit seinen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst schon vor der Sanierung Publikum aus Rosenheim und München angezogen. So soll es weitergehen:
Das Veranstaltungsprogramm bis Februar 2026 ist gedruckt - und liegt auch künftig in den Händen des "Fördervereins Karolinenkirche", der sich dann eben nicht mehr um neue Dachbalken, sondern um Kultur und Begegnung kümmert.
Festgottesdienst zur Wiedereinweihung
Der Festgottesdienst zur Wiedereinweihung der Karolinenkirche in Großkarolinenfeld findet statt am:
- Sonntag, 28. September 2025, um 9.45 Uhr
Die Predigt hält Regionalbischof Thomas Prieto Peral.