Die bayerische Staatsregierung will das Klimagesetz ändern: Statt bis 2040 soll der Freistaat erst bis 2045 treibhausgasneutral werden. So sieht es die Novelle vor, die der Ministerrat im April 2026 vorgelegt hat. Doch noch hat der bayerische Landtag nicht über den Gesetzentwurf abgestimmt. Egal, wie es ausgeht: Die bayerische Landeskirche hält an ihren Klimazielen fest, sagt deren Umweltbeauftragter Wolfgang Schürger im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Herr Schürger, wie hängen die Klimaziele der bayerischen Landeskirche mit den Maßnahmen des Freistaats zusammen?

Wolfgang Schürger: Erstmal gar nicht, weil wir aus eigener Motivation unsere Klimaziele beschlossen haben und uns dabei an der Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) orientieren. Erst im Juli haben die kirchenleitenden Gremien wie Landeskirchenrat und Landessynodalausschuss bestätigt: Egal, was der Freistaat in puncto Klimagesetz macht, wir halten an unseren Zielen fest. Und das bedeutet: 90 Prozent weniger Treibhausgase bis 2035, bezogen auf den Ausstoß von 2023 bis 2035. Und treibhausgasneutral bis 2045.

Gebäude der Landeskirche verursachen 89 Prozent des CO2-Ausstoßes

Sind die beiden Ziele aus jetziger Perspektive erreichbar?

Aktuell liegen wir im Fahrplan zurück, das hängt im Gebäudebereich - der 89 Prozent des CO2-Ausstoßes innerhalb der Landeskirche verursacht - vor allem am verzögerten Prozess der Gebäudebedarfsplanung. Deren Abschluss wurde um ein Jahr auf Ende 2026 verschoben. Aber statt deshalb unsere Ziele zu ändern, wollen wir nachsteuern. Wir werden der Synode im Frühjahr 2027 vorschlagen, mehr Maßnahmen in kürzerer Zeit umzusetzen. Dafür wollen wir die künftig acht Verwaltungsregionen der Landeskirche mit zusätzlichem Personal aus dem Klimaschutzfonds ausstatten. Diese Klimakoordinatoren sollen als "Turbo" die Prozesse vor Ort durch professionelle Beratung beschleunigen.

Beim Thema Heizen ist die Planung der Kirche auch darauf ausgelegt, dass Staat und Kommunen für grüne Fernwärme sorgen. Was würde passieren, wenn die Verantwortlichen da jetzt das Tempo rausnehmen?

Wenn kommunale Anbieter die regenerative Fernwärme langsamer voranbringen würden, kämen auch die Gemeinden beim Ziel der CO2-Neutralität langsamer vom Fleck - vor allem, wenn es eine Anschlusspflicht an Fernwärme gibt. Der Staatsregierung geht es bei ihrer Novelle aber auch um die Bereiche Mobilität und Strom. Da gibt es selbst in der Industrie zwei Lager: Viele, die schon gut vorangegangen sind, wollen an den ursprünglichen Zielen festhalten. Andere, die die Entwicklung verschlafen haben, fordern mehr Zeit.

Doch die Themen drängen wie eh und je. Nichtstun führt zu immer höheren Kosten - nicht nur für die Mitwelt, sondern auch ganz konkret für die einzelnen Betriebe oder - in unserem Fall - Gemeindehaushalte. Am Beispiel der Nahost-Krise sehen wir, was passiert, wenn der Markt die Lage regelt. Alles, was fossil betrieben ist, wird viel teurer. Der Umstieg auf regenerative Energie ist die logische und wirtschaftlich sinnvolle Konsequenz.