Von außen wirkt es fast ein wenig zu ruhig für das, was sich an einem Sommertag Ende Juni im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad abspielte: Auf dem Gelände mit Blick ins grüne Fichtelgebirge versammelten sich Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus Kirche, Politik und Gesellschaft, um Danke zu sagen – und zugleich Willkommen.
Nach 14 Jahren im Amt wurde Andreas Beneker als pädagogisch-theologischer Leiter in den Ruhestand verabschiedet. Und mit ihm übernahm seine Nachfolgerin Angela Hager offiziell die Leitung – gemeinsam mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Brigitte Hanft, die bereits seit 2023 Leitungsaufgaben wahrnimmt.
Wer in diesen Tagen mit Angela Hager durch das Haus geht, der merkt schnell: Diese neue Rolle ist für sie mehr als ein Karriereschritt – sie ist ein Ankommen. "Dieser Ort, das Evangelische Bildungszentrum, ist für mich besonders. Zum einen aufgrund seiner Lage – mitten im Fichtelgebirge, aber auch im Herzen Europas. Wunderschöne Natur um uns herum. Ein Ort zum Innehalten", sagt sie.
Persönliche Geschichte mit dem Haus
Dabei ist die Verbindung für die promovierte Theologin keine rein berufliche. Ihr Mann stammt aus der Nähe, aus Schönbrunn bei Wunsiedel – und sie selbst hat im EBZ geheiratet. "Ich denke noch an einen wunderbaren Junitag zurück: Sonnenschein, unser Blechbläser-Ensemble auf der Terrasse, ein wunderbares Essen. Da sind einfach sehr viele schöne Erinnerungen mit dem Ort verbunden."
Für viele ist das EBZ ein spiritueller wie intellektueller Ankerpunkt. Auch das wurde bei der feierlichen Stabübergabe am 29. Juni deutlich. In den Grußworten aus Kirche und Politik wurde Andreas Beneker für seine kluge, zugewandte und stets besonnene Leitung gewürdigt – auch in schwierigen Zeiten. Unter seiner Führung wurde das Bildungszentrum zu einem Ort, der weit über kirchliche Milieus hinausreicht und gesellschaftspolitisch Stellung bezieht – etwa mit der Antidiskriminierungsberatung Oberfranken, mit Fachstellen im Bundesprogramm Demokratie leben oder der Evangelischen Arbeitsstelle Antiziganismus Bayern.
Ein Ort der Sehnsucht, der Haltung und der Hoffnung
Angela Hager will da ansetzen und weitermachen. "Mich spricht die Vielfalt hier am Haus sehr an. Das dezidiert gesellschaftspolitische Profil ist mir wichtig – gerade in der heutigen Zeit. Ein Ort zu sein für Demokratie und Menschenwürde – das ist mir ein großes Anliegen." Dazu kommen kreative, spirituelle und literarische Angebote – vom Glaubensseminar bis zur Schreibwerkstatt. "Ich schätze sehr, was hier ist – und freue mich darauf, meine Erfahrungen und Gaben einzubringen."
Wer sich mit ihr unterhält, merkt: Sie bringt Haltung mit – aber ohne jede Schwere. Vielmehr spricht aus ihren Worten die Lust am Miteinander, an Entwicklung, an guter Pädagogik. Ein Ort wie das EBZ sei da ideal, sagt sie: "Für mich ist es ein Ort des Innehaltens – und vielleicht im positiven Sinn auch mal einen Schritt zurückzutreten, ein bisschen Abstand zu gewinnen vom Trubel des Alltags und von der Dauererregung der gesellschaftlichen Debatten."
Dass dabei Spiritualität, Natur und Begegnung Hand in Hand gehen, beschreibt sie eindrücklich: "Wir waren bei einem Klausurtag des pädagogischen Teams, haben das Programm für 2026 geplant. Abends sind wir spazieren gegangen, haben auf einer Anhöhe gesessen und ins Abendrot geschaut. Und ich konnte gut nachvollziehen, warum die Romantiker das Fichtelgebirge so geliebt haben."
Ich EBZ selbst geniesst Hager die Ruhe im Lesecafe, denn es hat " einen wunderbaren Blick auf den Glockenturm. Und ein anderer Ort, wo ich sehr zur Ruhe komme, ist die Kapelle oben." Das Haus in Bad Alexandersbad ist für Angela Hager etwas ganz besonders, die Umgebung, die Nähe zur Natur, der geistliche Ort. "Ich bin die Treppen hochgegangen, und die Glocken haben geläutet. 8 Uhr morgens. Das hat fast etwas Klösterliches. Das ist der Klang, den ich mit dem Haus verbinde."
Starke Frauen an der Spitze
Die Doppelspitze mit Brigitte Hanft – seit vielen Jahren im Haus und in der Region verwurzelt – gibt ihr dabei Sicherheit und Perspektive. Hanfts umsichtiges, klares Handeln wurde bei der Feier eigens gewürdigt, steht sie doch für die Stabilität und Kontinuität des Hauses – auch in bewegten Zeiten. Dass nun zwei Frauen gemeinsam das EBZ leiten, ist in vielerlei Hinsicht ein starkes Zeichen.
Angela Hager bringt zudem ein feines Gespür für Atmosphäre und Gastfreundschaft mit: "Jemand hat das EBZ mal einen Sehnsuchtsort genannt. Und das fand ich wunderschön. Ein Ort, wo Menschen versuchen, ihr Bestes zu geben – in der Küche, der Hauswirtschaft, der Verwaltung oder im pädagogischen Programm. Und dass Menschen gesehen werden, in dem, wie sie sind, was sie mitbringen und brauchen – das macht diesen Ort besonders."
Ein Haus für viele Menschen
In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, kirchlicher Umbrüche und politischer Verunsicherung will das Evangelische Bildungszentrum genau das bieten: einen Ort zum Durchatmen, zum Denken, zum Diskutieren – und zum Hoffen. Dass Angela Hager dafür die richtige Person ist, scheint nach den ersten Monaten keine Frage mehr zu sein.
Oder, wie sie es selbst sagt: "Ich freue mich besonders auf die Begegnungen mit Gruppen hier im Haus – die aus ganz unterschiedlichen Gründen herkommen. Und ich hoffe, dass sie hier ein Stück dessen finden, wonach sie sich sehnen."