16.000 Mahlzeiten, 13.000 Stück Kuchen und 1700 Liter Kaffee. So lautet die beeindruckende Bilanz der Vesperkirche in der Nürnberger Südstadt aus dem vergangenen Jahr. Auch heuer treten der Diakonieverein Nürnberg-Lichtenhof, die evangelische Kirchengemeinde Lichtenhof und 500 Ehrenamtliche an, um die unterschiedlichsten Menschen an einen Tisch zu bringen.

Die Gemeinschaft ist für viele Besucher mindestens genauso wichtig wie die günstigen Menüpreise in Höhe von einem Euro. Viele Menschen freuen sich seit Monaten auf die Möglichkeit, in Gesellschaft zu essen, weiß Brigitte Meyer vom Evangelischen Verein für Gemeindediakonie. "In einer Welt, in der die soziale Schere stetig weiter auseinandergeht, setzen die Vesperkirchen einen Impuls für Gemeinschaft und menschliche Wärme."

Ein besonderes Schmankerl der Vesperkirche in der Südstadt: das umfangreiche Kulturangebot. Es ermöglicht Menschen kulturelle Erlebnisse, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Ein Opernensemble ist ebenso zu Gast in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche wie die Akademie der Staatsphilharmonie Nürnberg. Wer mag, kann sich außerdem die Haare schneiden lassen, eine ärztliche Beratung in Anspruch nehmen, Yoga ausprobieren und noch vieles mehr.

Bei der "MahlZeit" in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche im Stadtteil Langwasser geht es etwas beschaulicher zu – aber nicht weniger liebevoll. Pfarrer Daniel Szemerédy rechnet wie 2025 mit rund 1000 Mahlzeiten an acht Tagen. Los geht es am 1. Februar. "Im Kirchenraum werden die Gäste nach ihren Wünschen befragt und dann am Platz bedient", erzählt Daniel Szemerédy. Das Essen wird von den rund 90 Ehrenamtlichen – darunter etliche Geflüchtete – in der Küche des Gemeindezentrums frisch zubereitet. Klaviermusik im Hintergrund und Vorführungen von Kindergarten- oder Schulkassen sorgen zusätzlich für eine absolute Wohlfühlatmosphäre.

Suppe in allen Variationen

Keine Vesper-, sondern eine Suppenkirche findet heuer zum vierten Mal in Bamberg statt. Wie der Name schon sagt, kommt hier ausschließlich Flüssiges auf die Teller: von Kartoffel- über Kürbis- bis hin zu Rote-Beete- und Rosenkohlsuppe. Und das gleich sieben Wochen lang. Viele Besucher begegnen sich immer wieder. "Über die zwei Monate entstehen dann auch tiefere Gespräche", freut sich Pfarrerin Anette Simojoki und betont: "Hier kann Kirche leuchten und ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft sein."

In Bamberg bekommen die Menschen noch bis 27. Februar montags bis freitags gratis einen "Teller Wärme". Menschliche Wärme garantiert das Angebot "Zuhören und Gespräch". Ehren- und Hauptamtliche setzten sich zu den Menschen an die Tische: mit Zeit und einem offenen Ohr, erklärt Anette Simojoki. So verkündige sich die Liebe Gottes zu allen Menschen in der Suppenkirche ganz konkret und spürbar. Insgesamt beteiligen sich vier evangelische und eine katholische Gemeinde sowie die beiden Hochschulgemeinden an der Suppenkirche.

Landesbischof hilft bei Essenausgabe

Beim Verteilen der Mahlzeiten helfen oft prominente Unterstützer. Landesbischof Christian Kopp zum Beispiel packte zu Beginn der Vesperkirche am 25. Januar in Schweinfurt tatkräftig mit an. Zuvor predigt er beim Eröffnungsgottesdienst. Veranstaltet wird eine der ältesten Vesperkirchen Bayerns heuer zum zwölften Mal gemeinsam von der Kirchengemeinde St. Johannis und dem Diakonischen Werk. Die Gäste werden an den liebevoll gedeckten Tischen bedient. "Auch Menschen mit wenig Geld sollen sich akzeptiert und willkommen fühlen", sagt Pfarrer Heiko Kuschel. Es handle sich aber keineswegs um keine Armenspeisung. "Leider sind manche immer noch der Meinung und bleiben der Vesperkirche fern."

Bis zu 500 Essen werden jeden Tag ausgegeben. Möglich machen das rund 200 Ehrenamtliche. Eine Mahlzeit inklusive Kaffee oder Tee und Kuchen kostet zwei Euro, Kinder zahlen die Hälfte. "Damit sind die Kosten natürlich bei weitem nicht gedeckt", sagt Heiko Kuschel. Wer kann, gibt mehr. Ein Stammgast zum Beispiel hat es sich zur Gewohnheit gemacht, das Essen für die zehnte Person hinter ihm in der Reihe zu bezahlen. Ansonsten ist die Vesperkirche auf Spenden angewiesen.

Neben dem Essen und kostenlosen Dienstleistungen wie Blutdruckmessungen oder einem Haarschnitt stehen den Menschen jeden Tag Seelsorger für Gespräche zur Verfügung. Jeweils um 13 Uhr lädt eine kurze Andacht zum Innezuhalten ein. "Ein wohltuender Beitrag für Leib und Seele, der mitten im Alltag Begegnungen und Austausch ermöglicht", heißt es in einer Pressemitteilung.

  • Landesbischof Christian Kopp bei der Eröffnung der Vesperkirche 2026 in Schweinfurt.
  • Landesbischof Christian Kopp bei der Eröffnung der Vesperkirche 2026 in Schweinfurt.
  • Landesbischof Christian Kopp bei der Eröffnung der Vesperkirche 2026 in Schweinfurt.

    Strahlkraft über die Vesperkirchen hinaus

    Jeweils am 1. März starten die Vesperkirchen im Memmingen, Coburg und Augsburg. Das zentrale Thema in Memmingen lautet heuer "Jeder is(s)t hier richtig" - Zusammen.halten". Gemeinsam an einem Tisch sollen Unterschiede verschwimmen und Solidarität und Verständnis füreinander wachsen, erklärt Manuela Walcher von der Diakonie Allgäu. Die Vesperkirche sei nicht nur ein gelungenes Beispiel für ein lebendiges Miteinander von Kirche und Diakonie. "Sie fördert das Miteinander im Sozialraum und schafft Teilhabe und Mitmenschlichkeit." Durch die Kooperation unter anderem von zwölf Firmen, vier Schulen, fünf Blaulichtorganisationen und vier Sportvereinen entstünden Verbindungen, die über die Vesperkirche hinaus Bestand hätten.

    Allein letztes Jahr spendeten Bäcker und Metzger 3000 Semmeln, 750 süße Teilchen und 350 Kuchen. Die 250 Ehrenamtliche schenkten weit über 11.000 Tassen Kaffee an die 8500 Gäste aus. Die Zahlen heuer dürften ähnlich ausfallen. Auf die Besucher warten neben "Alaska-Seelachs nach Wiener Art mit Kräutermayonnaise-Salzkartoffeln und Rahmspinat" oder "Hausgemachte Gemüselasagne mit Blattsalat" verschiedene Service-Angebote wie eine Fahrradwerkstatt und eine Nähstube sowie kulturelle Highlights wie Kino- und Spieleabende oder eine Lesung.

    Kirche neu entdecken

    Noch relativ jung ist die Vesperkirche in Coburg. Sie findet heuer zum vierten Mal statt. Das Besondere: die Gemeinschaftsaktion "Hoffnung falten statt Sorgenfalten". Die Menschen sind aufgerufen, Schmetterlinge aus Papier zu falten oder zu basteln. In einer Zeit voller Sorgen und schlechter Nachrichten sollen sie als Zeichen der Hoffnung die Decke der Morizkirche zieren, so Stefan Kornherr vom Diakonischen Werk. In der "Langen Vesperkirchennacht" gibt es die Möglichkeit, in der Kirche zu übernachten. Unterm Strich sollen die Menschen ihre Kirche neu als "Raum der Begegnung und der Spiritualität entdecken".

    Bistum und Caritas Augsburg laden heuer zum dritten Mal zur Vesperkirche in die Kirche St. Paul im Stadtteil Pfersee. "Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen beim Essen ins Gespräch kommen, die in ihrem Alltag kaum Berührungspunkte haben", sagt Pfarrerin Marianne Werr. Bei der Essensausgabe helfen unter anderem Fußballer der U23-Mannschaft des FC Augsburg, Oberbürgermeisterin Eva Weber und Schwabens Regierungspräsidentin Barbara Schretter.

    Außerdem begleitet die Vesperkirche dieses Jahr die Aktion "Sieben Wochen Königlich" des Künstlers Ralf Knoblauch. "Seine Holzskulpturen von Königinnen und Königen sollen berühren und daran erinnern, dass in jedem Menschen eine Königswürde steckt – und dass wir füreinander da sein sollen." Kostenfreie Dienstleistungen wie eine Maniküre oder eine Klangschalen- und Handmassage sorgen zusätzlich dafür, die christliche Botschaft der Selbst- und Nächstenliebe lebendig, erfahrbar und sichtbar zu machen.

    Vesperkirchen in Bayern 2026

    • Vesperkirchen Nürnberg/Südstadt: bis 22. Februar; 10.30 - 15.30 Uhr (montags geschlossen), Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, Menüpreis: ein Euro
       
    • "MahlZeit" Nürnberg/Langwasser: 1. bis 8. Februar; täglich 12-14.30 Uhr; Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Kosten: ein Euro
       
    • Suppenkirche Bamberg: bis 27. Februar; montags bis freitags, 12.30 und 13.30 Uhr , wechselnde kirchliche Räume, das Essen ist gratis
       
    • Vesperkirche Schweinfurt: noch bis 8. Februar, täglich 11.30 bis 14 Uhr, St. Johanniskirche, Menükosten: 2 Euro (Kinder 1 Euro)
       
    • Vesperkirche Augsburg: 1. bis 15. März, täglich von 11 bis 14:45 Uhr, St. Paul, Kosten: ein Euro
       
    • Vesperkirche Memmingen: 1. bis 15. März, täglich 12 bis 14 Uhr, Christuskirche; Menüpreis: jeder gibt, was er kann
       
    • Vesperkirche Coburg: 1. bis 15. März, 12 bis 14 Uhr, Morizkirche; Menüpreis; jeder gibt, was er kann