Wenn Constanze Schweizer-Elser die hölzernen Stufen zur Empore der Kirche in Hranice hinaufsteigt, tut sie das nicht zum ersten Mal. Oben wartet ein vertrauter Anblick auf sie: die Orgel von Karl Eduard Schubert, 1856 erbaut, sein erstes Werk – und für Schweizer-Elser ein wahres Juwel.

"Diese Orgel stammt aus dem Jahr 1856 und wurde von dem Orgelbauer Karl Eduard Schubert erbaut. Es ist sein erstes Werk – das ist auch etwas ganz Besonderes", erzählt sie, während ihre Hand sanft über die Tasten gleitet. "Dieses erste Werk hatte nämlich einen anderen Orgelbauer, nämlich Silbermann, als Referenz. Er hat sich sehr an der Bauweise orientiert, wie Silbermann Orgeln gebaut hat."

Die Dekanatskantorin aus Selb hat in ihrer Karriere viele Orgeln gespielt. Doch die von Hranice ist für sie mehr als nur ein Instrument, sie ist ein Zeitzeuge. "Ich liebe dieses Instrument einfach, weil es wunderschöne Klangfarben hat, wunderschöne Register. Es erfüllt mich auch immer mit einer gewissen Ehrfurcht, wenn ich an so einem alten Instrument spielen darf. Dieses Instrument hat Jahre überdauert und viele Zeiten kommen und gehen sehen."

Diese Faszination will Schweizer-Elser mit anderen teilen – und genau dafür wurde die Orgelwoche im Drei-Flüsse-Land ins Leben gerufen. Vom 3. bis 10. August 2025 führen sie Liebhaber historischer Klänge durch acht Kirchen in Böhmen, Franken und Sachsen.

"Der Hintergrund der Orgelwoche ist es ja, dass verschiedene wertvolle historische Instrumente im Drei-Flüsse-Land – also im Vogtland, in Bayern und in Tschechien – ins Bewusstsein gerückt werden. Wir möchten diese Schätze bekannt machen", erklärt sie.

Klangvolle Begegnungen

Die Konzertreihe ist eine Einladung an Neugierige, Musikliebhaber und Menschen, die einfach einmal innehalten wollen. "Ich wünsche mir einfach, dass viele Menschen auf Schatzsuche gehen in dieser Woche und die Schätze entdecken, die wir hier in dieser Region haben", sagt Schweizer-Elser.

Jedes Konzert ist etwas Besonderes, weil jede Orgel ihre eigene Persönlichkeit hat – vom sanften Hauch barocker Instrumente bis zur satten Klangfülle romantischer Pfeifenwerke. "Es macht mich schon glücklich, wenn ich an dieser Orgel spielen darf. Gleichzeitig ist es etwas, was mich auch physisch sehr fordert. Die Orgel ist sehr schwergängig. Man muss schon auch ein bisschen überlegen, was man daran spielt."

Doch gerade diese Eigenheiten machen den Reiz aus. Sie sind Spuren der Geschichte – von Jahrhunderten, in denen die Orgeln Gottesdienste, Konzerte und stille Momente begleitet haben.

Ein Auftakt mit Herz

Das Eröffnungskonzert am 3. August gestaltet Schweizer-Elser gemeinsam mit der Sängerin Magdalena Mestlova. "Wir haben uns Werke von Vivaldi, Bach und Mendelssohn vorgenommen. Und ich werde auch noch Orgelwerke von Bach und Mendelssohn spielen."

Auch nach dem Konzert soll der Austausch nicht enden: Besucher sind eingeladen, die Orgeln aus nächster Nähe kennenzulernen. "Wir hatten auch schon, dass nach dem Konzert die Menschen dann mal hochkommen, sich das Ganze aus der Nähe anschauen. Einfach auf diese Weise auch mehr erfahren über dieses faszinierende Instrument."

Musik verbindet Grenzen

Die Orgelwoche soll mehr als ein Konzertreihe sein – sie soll die Verbindung der Länder, durch die das Drei-Flüsse-Land verläuft, stärken. Musikerinnen und Musiker aus Deutschland und Tschechien, darunter Ronald Gruschwitz aus Plauen, Reinhold Schelter aus Wunsiedel oder Jan Esterle aus Plzeň, beleben die alten Orgeln.

"Es ergeben sich schon Querverbindungen über die Projekte, die auch innerhalb der Gemeinden von beiden Seiten stattfinden", sagt Schweizer-Elser. Es ist gelebte Nachbarschaft – im Klang.

 

Die Orgelwochen 2025 im Überblick

Sonntag, 3. August – 15:00 Uhr
St. Martin Hranice/Roßbach
Orgel: Carl Eduard Schubert, 1860, op. 1
KMD Constanze Schweizer-Elser, Selb & Magdalena Mestlova, Gesang

Montag, 4. August – 19:00 Uhr
St. Andreas Spielberg (bei Selb)
Orgel: Strebel, Nürnberg, 1912
KMD Ronald Gruschwitz, Plauen

Dienstag, 5. August – 19:00 Uhr
Evangelische Friedenskirche Cheb/Eger
Orgel: G. F. Steinmeyer, Oettingen, 1871
KMD Reinhold Schelter, Wunsiedel

Mittwoch, 6. August – 19:00 Uhr
Stephanuskirche Oberlosa (bei Plauen)
Orgel: Johann Gottlob Trampeli, Adorf, 1784–88
Ivana Mesíková, Cheb

Donnerstag, 7. August – 19:00 Uhr
Höchstädt im Fichtelgebirge
Orgel: Strebel, Nürnberg, 1887
Susanne Häußler, Plauen

Freitag, 8. August – 19:00 Uhr
St. Peter Schönbrunn (bei Wunsiedel)
Orgel: Gebrüder Heidenreich, Hof, 1826
Jan Esterle, Plzeň

Samstag, 9. August – 19:00 Uhr
Johanniskirche Adorf
Orgel: Carl Eduard Schubert, 1867
Simon Reichert, Neustadt an der Weinstraße

Sonntag, 10. August – 15:00 Uhr
St. Laurentius Landwüst
Orgel: Friedrich Wilhelm Trampeli, Adorf, 1822
Adam Victora, Prag